Jimm Juree arbeitet als ambitionierte Polizeireporterin und hofft beruflich auf höhere Weihen. Just, als sich die Karrierechancen zu verbessern scheinen, verkauft Mutter Mair das Zuhause, um sich im Süden des Landes mit der Familie um ein kleines Hotel zu kümmern. Alle müssen mit. Jimm ebenso wie ihr Großvater, ein früherer Polizist, ihr jüngerer Bruder, dessen gesamte Welt sich um Bodybuildung dreht, und Sissi, ihre ältere Transgender-Schwester.
Jimm ist am Ende. Der Job platzt, das Hotel-Resort entpuppt sich als ärmlich und von Stürmen gefährdet und im Süden ist einfach nichts los. Einige Monate lang darbt Jimm betrübt vom langweiligen Landleben vor sich hin, bis plötzlich zwei Leichen auftauchen. Beim Buddeln taucht bei Old Mel ein alter VW-Bus auf, in dem zwei Skelette sitzen. Jimm bandelt sofort wieder mit den Zeitungen an, verkauft ihre Story und macht sich an die Recherchen. Durch Zufall erfährt Jimm kurze Zeit später von einem Mord in einem Tempel, über den Nachrichtensperre verhängt wurde. Plötzlich wird das Leben in Pak Nam spannend!
Eine Familie ermittelt für Jimm
Bei der Polizei lernt Jimm die typischen Vertreter kennen, vor denen ihr Großvater einst Reißaus genommen hat. Teils unfähige, teils bequeme Polizisten. Bis auf einen. Seargant Phoom ist gewitzt, denkt logisch und konsequent. Die thailändische Polizei hat allerdings ein Problem damit, dass Phoom offen zu seiner Homosexualität steht und so verstauben seine beruflichen Fähigkeiten auf irgendeiner bedeutungslosen Station. Jimm findet in ihm den perfekten Gegenüber, um den Fall voran zu treiben. Auch ihr Großvater, der wegen seiner hartnäckigen Ehrlichkeit „nur“ als Verkehrspolizist gearbeitet hat und den Jimm deshalb während ihrer ganzen bisherigen Karriere nie auf dem Radar hatte, entpuppt sich als scharfsinniger Mitdenker.
Jimm Juree ist eine spitzzüngige Frau. Sie kommentiert alles mit einem losen Mundwerk und wie schon bei den Büchern der Dr. Siri-Serie macht dieser Stil einen großen Teil der Faszination aus. Ein bisschen Herabschau spielt bei Jimm allerdings mit. Denn mit dem ländlichen Leben verbindet sie vorrangig stupide Eintönigkeit und den Verzicht auf viele Annehmlichkeiten, die in der Stadt verfügbar waren. Gegen Ende des Buches allerdings geht ihr auf, dass sie in Pak Nam viel Gutes nicht hat sehen wollen. Weder sind Männer so unattraktiv, wie sie immer dachte, noch sind alle Landeier blöd, noch muss das kleine Hotel der Familie gästefrei verlottern.
Vielversprechender Serienstart in Thailand

Colin Cotterill mischt in seiner neuen Serie viele Elemente, die er bei Dr. Siri schon benutzt hat: Frechen Humor, ungewöhnliche Figuren und starke Charaktere als Leitfiguren. Jimm Juree wird damit wieder eine gekonnte Komposition, in der die herzliche Familie Juree zum Fixpunkt wird. Auch hier sind manche Fälle skurril, aber keinesfalls völlig unmöglich, und keiner gleicht dem anderen. Langeweile kommt bei Cotterill nie auf und das behaupte ich mittlerweile ununterbrochen seit sieben Büchern.
Auf Deutsch erschien der Krimi 2013 bei Goldmann unter dem Titel „Der Tote trägt Hut“. Fall 2 findet ihr als „Grandad, there’s head on the beach“ (deutsch: Ein Kopf macht noch keine Leiche).
Bibliografische Angaben
Verlag: Quercus Books
ISBN: 0857381512
Erstveröffentlichung: 2011
