Intermezzo XXIV

von Bettina Schnerr
3 Minuten Lesezeit
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Syou Ishida – Das Glück bringt eine Katze

Syou Ishida - Das Glück bringt eine Katze / deutsches Buchcover

Unter einer selbst für Kyotoer Verhältnisse merkwürdig kryptischen Adresse gibt es eine kleine Praxis, zu der man nicht einfach so Zugang erhält. Man muss es wollen und nötig haben, sonst findet man statt der winzigen Gasse nur normale Häuserzeilen. Der ungewöhnlich junge Arzt verschreibt bei diversen Problemen — vom schlechten Arbeitsplatz bis zum unzuverlässigen Partner — stets eine Katze für mehrere Tage zur Pflege. Da das Buch ganz gewiss als „Healing Novel“ zählt, geht natürlich alles gut aus.

Nachdem ich bereits das kitschige Cover zum Thema gemacht habe, folgt nun also ein Blick ins Buch. Allem vorweg: Es gibt tatsächlich eine Frau im Kimono im Buch, was den Kitschfaktor dieses Covers nicht maßgeblich schmälert, nur den Wahrheitsgehalt besser poliert, als bei vielen anderen Titeln mit vergleichbarem Motiv. Inhaltlich konnte mich das Buch allerdings nicht überzeugen.

Wie bei anderen Geschichten mit magischen Elementen, die nicht permanent oder nicht für jeden zugänglich sind, hext sich hier eine Gasse mit dem heruntergekommenen Bürogebäude nach Belieben heran oder weg. So weit gut. Während der junge Arzt noch recht nett ist, geht die Assistentin wahnsinnig schlecht gelaunt mit allen um (was leider auch die Bibliothekarin Frau Komachi so nervig macht). Wenn die Praxis magisch verschwunden ist, arbeiten in dem realen Haus ein Psychologe und ein Tierarzt — sie und ihr Praxispersonal sehen den verschwundenen Personen verblüffend ähnlich. Dann kommen Tierheime dazu, illegale Züchter, und irgendwo gibt es die sympathischen Arbeitgeber und reichen Leute mit dem Herz am rechten Fleck, die alles wieder zurechtrücken helfen.

Es lässt sich am Ende alles irgendwie erklären in einer Geschichte, die wie aus dem Baukasten wirkt. Fünf Katzen, fünf Probleme, irgendeine Magie, fertig. Wie erklären wir das alles? Egal. Solange die Checkliste abgehakt ist und alle Probleme verschwinden, passt es.

Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-07361-5
Originaltitel: Neko wo shoto itashimasu (猫を処方いたします)
Erstveröffentlichung: 2023
Deutsche Erstausgabe: 2025
Übersetzung: Sabine Mangold, Yukiko Luginbühl

Colin Dexter – Zuletzt gesehen in Kidlington

Inspektor Morse war mir bislang maximal als Verfilmung ein Begriff. Nicht, dass ich je eine gesehen habe, doch übers Intenet schnappt man ja das eine oder andere auf. Irgendwann fiel mir auf, dass ich einen Morse sozusagen im Original im Schrank stehen habe: Den Vermisstenfall „Zuletzt gesehen in Kidlington“.

Ein zwei Jahre alter Fall wird neu aufgerollt, nachdem eine Postkarte bei den Eltern der vermissten Valerie auftaucht, unterzeichnet mit ihrem Namen. Echt oder nicht echt? Zunächst arbeitet ein Kollege von Morse daran. Dieser stirbt unerwartet bei einem Autounfall; daher soll Morse den Fall wiederaufnehmen. Ohne allerdings zu wissen, was der Kollege tatsächlich herausbekommen hatte – oder ob überhaupt etwas.

Was bleibt? Ein Inspektor, der verschiedene Theorien aufstellt und der Reihen nach alle Beteiligten als Täter zwischen sich und seinem Mitarbeiter Lewis herumreicht. Und der jedes Mal davon überzeugt ist, dass er richtig liegt (dafür ist das Buch an den jeweilgen Stellen jeweils zu dick, als dass es stimmen könnte). Einerseits schätze ich das Gedankenspiel sehr. Auf diese Weise lassen sich die Optionen durchspielen und Morse kann schauen, ob seine Puzzlesteine in der bevorzugten Variante zusammenpassen. Aber es lässt bei ihm eben auch die Möglichkeit offen, alles so hinzubiegen, gerade damit es passt. Richtig bei der Sache wirkt er nicht immer.

Recht warm geworden bin ich mit Morse als Person nicht. Er ist nicht wirklich unsympathisch, und dennoch kein Chef, den man haben möchte. Verdreht gelegentlich Inhalte und wirft sie später krumm und schief den anderen vor … ein ätzender Charakterzug, der auch beim Lesen anstrengend ist. Was mir zum Schluss nicht klar ist: Hätte er schneller auf die Lösung kommen können, wenn er sich besser orieniert hätte? Vielleicht hat aber auch der Eindruck, dass er leicht unkonzentriert neben der Spur fährt, ihm zum Schluss das Leben gerettet.

Verlag: Unionsverlag
ISBN: 978-3-293-20806-3
Originaltitel: Last seen wearing
Erstveröffentlichung: 1976
Deutsche Veröffentlichung: 1985 (unter dem Titel „… wurde sie zuletzt gesehen“)
Diese Ausgabe: 2018
Übersetzung: Marie S. Hammer, Eva Berié

Ryushun Kusanagi – Die Kunst, nicht auf alles zu reagieren

Den Abschluss der Kurzvorstellungen macht ein Sachbuch des „berühmtesten Mönchs der Universität Tokyo“. Er erläutert die Denkweise des Buddhismus und versucht, den Menschen Sichtweisen und Konzepte an die Hand zu geben, mit denen sie gelassener durch den Alltag kommen. Trotz Stress, vieler Technologien, Ablenkungen und Schnelllebigkeit. Kusanagis Konzept ist es, Buddhismus nicht als Religion zu verstehen, sondern als einen Weg zur Verbesserung des Lebens.

Es ist allerdings kein Buch, mit dem ich etwas anfangen konnte. Dafür ist es zu philosophisch und viel zu wenig praxisnah angelegt. So funktioniert es meiner Meinung nach nicht als Ratgeber; dazu fehlen erzählerische Technik sowie sinnvolle Handreichungen für den Alltag. Damit verbunden ist der Eindruck einer großen Redundanz im Text. Auch, wer der nach außen so stoischen Ruhe der Japaner:innen näherkommen und kulturelle Konzepte verstehen möchte, kommt mit diesem Buch meiner Meinung nach nicht weit. Das war jedenfalls mein Ansatz, sich mit Kusanagi zu befassen – und geschrieben wurde das Buch schlussendlich für Japanerinnen und Japaner, wo es von Beginn an sicher andere Voraussetzungen finden dürfte.

Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-31379-6
Originaltitel: Hanno shinai renshu (反応しない練習)
Erstveröffentlichung: 2015
Deutsche Erstausgabe: 2025
Übersetzung: Karina Hermes

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