Während Sherlock Holmes mit Hilfe der Baker Street Boys einen Fall untersuchen, in den ein seltsamer Amerikaner verwickelt ist, verschwindet der Meisterdetektiv von der Bildfläche. Seine jungen Helferinnen und Helfer müssen ihn schnell wiederfinden. Denn wir schreiben das Jahr 1897. Queen Victoria feiert ihr Thronjubiläum und wenn alle Vorahnungen korrekt sind, will eine Gruppe von Feniern die Queen töten.
Die Idee zu den Baker Street Boys liefert Arthur Conan Doyle höchstselbst. Im Vorwort erläutert Autor Anthony Read, dass diese Gruppe Straßenkinder gleich in der ersten Sherlock Holmes-Folge sowie in zwei weiteren Geschichten explizit erwähnt werden. Warum also sollte man diese Figuren nicht aufgreifen und weiter entwickeln? Zunächst wurde eine BBC-Serie draus, später eine Kinderbuchreihe.
Wie ich finde, ist der Spinoff gelungen. Read stattet seine Nachwuchsermittler so aus, dass sich viele Kinder in irgendeiner Form wiederfinden und selbstverständlich ahmen sie ihren Auftraggeber nach. Anführer Wiggins imitiert zum Beispiel dessen Marotten, wenn es um intensives Nachdenken geht. Ihm zur Seite steht ein Mini-Watson in Gestalt von Beaver.
Junge und ernstzunehmende Ermittler
Im ersten Fall, den sie in Eigenregie lösen müssen, verschwindet Holmes während seiner Recherchen. Gemeinsam mit den Kindern ging es eigentlich nur um eine Beschattung, die plötzlich ausartet. Zunächst mag Watson den Kindern kaum glauben, denn Sherlock Holmes verschwindet schon mal für diskrete Ermittlungen. Dieses Mal aber ist es anders und die Spuren führen in eine kleine Sackgasse, verschlossen durch ein hermetisch verriegeltes Tor. Wie kann Holmes da nur verschwunden sein?

Eine große Hilfe ist in diesem Fall neben Rosie, die als Blumenmädchen die Straßen fest im Blick hat, oder Sparrow, der als Assistent einer Varietébühne aufschlussreiche Beobachtungen macht. Shiner, der direkt am Bahnhof Schuhe putzt, hilft mit seinem Wissen über Zugverbindungen und die Abläufe auf den Bahnhöfen aus.
Die reale Situation der Straßenkinder im damaligen London wird immer wieder kindgerecht angesprochen. Hunger, Geldmangel und Ablehnung erleben auch die Baker Street Boys, doch haben sie eben mit Holmes und Watson auch zwei Unterstützer, die ihnen immer wieder unter die Arme greifen. Und wenn es nur ein Imbiss ist. Am Ende gelingt es den Kindern, nicht nur Holmes zu befreien, sondern auch die Kriminellen in die Flucht zu schlagen und deren hinterhältigen Plan zu vereiteln. „Ein“The Case of the disappearing Detective“ ist ein fantastisches Detektivabenteuer!
Bibliografische Angaben
Verlag: Walker Books Ltd.
ISBN: 978-1844289615
Erstveröffentlichung: 2005
