Dominique Manotti – Roter Glamour

von Bettina Schnerr
2 Minuten Lesezeit
Header: Dominique Manotti - Roter Glamour

Es gibt sie, diese Autoren, die einem Bauchgrimmen verursachen … weil man sich ärgert, dass man auf sie noch nicht früher aufmerksam geworden ist. Manotti gehört nach nach nur diesem einen Buch für mich zu dieser Riege.

In einem prägnant kurzen Erzählstil stellt Manotti die gebürtige Maghrebinerin Noria Ghozali vor, die sich zunächst mit einem gewagten Sprung vor der Wut ihres Vaters rettet. Ab diesem Zeitpunkt ist sie frei, steht allerdings völlig allein da. Ghozali beißt sich durch und wird eher zufällig Anwärterin bei der Polizei. Auf eine Maghrebinerin haben die — wie sie mit selbstgemachten rassistischen Plakaten zeigen – nicht wirklich gewartet. Und so darf sich die Jungpolizistin mit Kleinkram befassen, wie explodierenden Hundehaufen zum Beispiel. Doch ihre Hartnäckigkeit und Energie verliert Ghozali nicht. Als eine unbekannte Tote auftaucht, hat sie die zündende Idee, wie man sie identifizieren könnte.

Noria Ghozali ist eine sehr spannende Figur. Sie bekommt schon mit den wenigen Worten, die Manotti macht, ein charakteristisches Profil. Sie vertritt energisch das Recht und ist jung genug, um weder von Routine noch Ernüchterung zerknickte Prinzipien zu haben. Ausgerechnet diese kleine Polizistin legt sich mit einem Zirkel an, der seine korrumpierten Prinzipien dank jahrelanger Protektion durch Macht und Geld völlig individuell definiert. Irgendwann fällt Ghozalis Arbeit auf und bevor sie in die Schusslinie der Drahtzieher gerät, sichert sich der Zentrale Nachrichtendienst RGPP ihre Dienste.

Junge Energie gegen alteingesessene Korruption

Ghozalis unbekannter Gegner ist der Präsidentenberater Bornand. Er nutzt seine Position direkt neben der Machtzentrale Frankreichs für persönliche (und selbstverständlich illegale) Geschäfte, Protektion und Ausnutzung. Ihm kann kaum keiner an den Kragen. Er hat überall Leute, die bei Behörden Unterlagen einsehen können, Vorgänge gezielt lahmlegen oder Informationen beschaffen. Abgesehen von seinen Geschäften und Intrigen, um erstere zu sichern, steht er permanent mit verschiedenen polizeilichen und nicht-polizeilichen Organisationen auf Kriegsfuß. Die französische Vielzahl dieser Behörden und Dezernate sorgt ständig für Kompetenzgerangel und Auflösungsvorstöße der einen gegen die anderen. Manotti erklärt in einem Vorwort, wie komplex die Strukturen in den 1980er Jahren in Frankreich aufgebaut sind.

Von der französischen „Elite“ zeichnet Manotti genau das erbärmliche Bild, das man bei der Affäre rund um den IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn sehen konnte. Die Mächtigen benutzen die Welt als Spielwiese, auf der sie beliebig Geld und Menschen einsetzen. Hauptsache, Abends wartet eine Belohnung in Gestalt einer Prostituierten der gehobenen Klasse auf sie. Oder wahlweise eine Frau, die sich wenigstens für eine Nacht von Macht und Geld blenden lässt. Ein Nein zu akzeptieren, gelingt ihnen nicht, und sollte der seltene Fall eintreten, pflastert sich der Weg mit Racheopfern.

Manottis entlarvender, spannender Krimi hat mir enorm gut gefallen. Ja, es mag Fiktion sein. Aer verflixt nochmal, es ist näher dran an der Realität als man es wahrhaben möchte.

>> Das Buch wurde mit dem „Prix Mystère de la Critique“ und dem „Prix du roman noir du Festival de Cognac“ ausgezeichnet und verfilmt.

Bibliografische Daten

Verlag: Ariadne bei Argument Verlag
ISBN: 978-3-86754-192-3
Originaltitel: Nos fantastiques années fric
Erstveröffentlichung: 2001
Deutsche Erstveröffentlichung: 2011
Übersetzung: Andrea Stephani

Mehr Lesestoff für dich

Schreibe einen Kommentar

Cookie-Einstellungen
Auf dieser Website werden Cookie verwendet. Diese werden für den Betrieb der Website benötigt oder helfen uns dabei, die Website zu verbessern.
Alle Cookies zulassen
Auswahl speichern
Individuelle Einstellungen
Individuelle Einstellungen
Dies ist eine Übersicht aller Cookies, die auf der Website verwendet werden. Sie haben die Möglichkeit, individuelle Cookie-Einstellungen vorzunehmen. Geben Sie einzelnen Cookies oder ganzen Gruppen Ihre Einwilligung. Essentielle Cookies lassen sich nicht deaktivieren.
Speichern
Abbrechen
Essenziell (1)
Essenzielle Cookies werden für die grundlegende Funktionalität der Website benötigt.
Cookies anzeigen