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Liane Moriarty – Neun Fremde

Klingt der Name Tranquillium House nicht wunderbar für eine Wellness Oase? Lassen wir mal außer Acht, dass es ein Beruhigungsmittel für Hunde gleichen Namens gibt und halten wir uns am reinen Latein fest: tranquillitas – Ruhe. Das erwarten auch “Neun Fremde”, die einen zehntätigen Aufenthalt dort gebucht haben. Zehn Tage Abkoppeln vom Alltag, gesundes Essen und ein attraktives Fitnessprogramm im australischen Sonstwo. Für den happigen Preis sollte am Ende eine “Runderneuerung” drin sein. Jeder, der hier bucht, trägt mehr als “nur ein bisschen Stress” mit sich herum. Hier sammeln sich berufliche Sackgassen, gescheiterte Ehen, trauernde Familien und hintergangene Ehepartner.

Geleitet wird das Haus von Masha, die für die Wirkung ihrer Therapie auf drei Leute baut: Ihre Assistenzen Yao und Delilah und die Masseurin Jen aus dem Spa. Für Masha selbst wurde eine Nahtoderfahrung zum Wendepunkt. Seither widmet sie sich Fitness und Wohlbefinden und vermittelt ihre Erkenntnisse und Leitlinien im Ressort den zahlenden Kunden.

Dafür haben sie gewiss nicht bezahlt

Das Wochenende läuft gänzlich unerwartet ab, denn Masha will einen neuen Therapieansatz testen. Die Geschäftsführerin stellt einen Aktionsplan vor, der mit mehreren Tagen strenger Stille beginnt. Und alles, was danach geplant ist, gerät wegen der hoch motivierten Chefin ein wenig außer Kontrolle.

“Die Lektüre dieses Romans macht süchtig,” schrieb eine Zeitung über “Neun Fremde”. Wow — ich hätte nicht ohne Weiteres gedacht, dass mich diese neun Leute so durch das Buch ziehen würden. Moriarty stellt sie alle so nahbar mit ihren Erfahrungen in den Mittelpunkt. Die ersten fünf Tage bleiben sie wegen des Schweigegebots mit ihren Gedanken alleine und das bietet einen wunderbaren Hintergrund, um jene Sorgen kennenzulernen, die sie verfolgen und ihre Stimmungen prägen.

Über den weiteren Verlauf lässt sich nicht viel erzählen, ohne auf das Gröbste zu spoilern. Das hat Moriarty nicht verdient. So unterhaltsam sie schreibt, so sehr hat “Neun Fremde” einen ernsten Kern. Ich kann durchaus verraten, dass Tranquillium House für alle neun einen Wendepunkt darstellen wird. Sie hatten es ja auch erhofft, sie haben es bekommen, nur ganz anders als erwartet.

Ein “Therapieeffekt” für alle

Darüber lässt sich hinterher trefflich nachdenken. Wie schwer machen wir es uns manchmal selbst? Wie sehr lassen wir uns von fremden Stimmungen unterkriegen? Das Tranquillium House liefert, in Form eines unterhaltsamen Buchs, einen freundlichen Reminder daran, dass wir viele Elemente unserer Befindlichkeit selbst in der Hand haben. Veränderungen kosten Aktivierungsenergie, doch sie lohnt sich in so vielen Fällen.

Bekannt wurde Liane Moriarty übrigens mit dem Buch “Big Little Lies / Tausend kleine Lügen“. Wer’s nicht weiß, erfährt es vom fetten, aber absolut verzichtbaren Aufdruck auf dem Schutzumschlag. Der Fernsehsender HBO machte daraus eine ganze Serie mit einigen Staffeln. Ich sollte mir dieses Buch vielleicht auch noch holen, um noch einmal in Moriartys lebendige Charakterstudien abzutauchen und ihre Fähigkeit, unsere Leben so filterlos und ungeschönt, doch gleichzeitig warm und herzlich portraitieren zu können.

Bibliografische Angaben

Verlag: Diana
ISBN: 978-3-453-29234-5
Originaltitel: Nine perfect strangers
Erstveröffentlichung: 2018
Deutsche Erstveröffentlichung: 2019
Übersetzung: Dietlind Falk

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