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Emma Viskic – No Sound

Emma Viskic - No Sound. DIe Stille des Todes / Krimi und Serienauftakt für Caleb Zelic, ein gehörloser Privatermittler

Der aktuelle Auftrag für die Detektei Trust Works endet in einem Desaster: Constable Gary Marsden, den die Detektei für ein paar zusätzlich Ermittlungen eingespannt hatte, wird ermordet. Alle Hinweise beschränken sich auf Garys Auftrag und seine letzten SMS. Mehr als eine Warnung vor einem Mann namens Scott lässt sich aber nicht herauslesen und der Auftrag an sich, Diebstähle in Lagerhäusern, gibt auf den ersten Blick auch nichts her. Die Privatermittler Caleb Zelic und Frankie Reynolds sind ratlos. Zu allem Überfluss mutmaßt die Polizei, die Detektei selbst sei in den Fall verwickelt. Korruption, Geldwäsche, Drogenhandel, was auch immer. Selbst die Abteilung für interne Ermittlungen der Polizei schaltet sich ein und will Marsden etwas anhängen. Doch Zelic wehrt sich gegen die Idee, sein alter Freund Gary hätte mit Kriminellen unter einer Decke gesteckt.

Ein gehörloser Privatermittler

Was mich an diesem Krimi besonders interessiert, ist die Figur des Caleb Zelic: Emma Viskic hat eine gehörlose Hauptperson entwickelt. Ich fand das insofern sehr interessant, da ich mit Peter Lundt bereits einen blinden Privatermittler kennengelernt hatte und die Serie insgesamt sehr stimmig gemacht und umgesetzt worden war. Für Caleb Zelic recherchiere Viskic in Blogs, kontaktierte Gehörlose und lernte selbst Auslan, die australische Gebärdensprache. Diese Vorbereitung und der Check des Manuskripts durch gehörlose Freunde lassen Zelic auf mich sehr glaubwürdig wirken.

Dass Zelic nicht einfach so einen Mordfall gerät, sondern als gehörloser Privatermittler tätig ist, pfeffert die Schwierigkeitswertung deutlich nach oben. Aber er weiß sich zu helfen: Kommunikation per SMS zum Beispiel und möglichst immer persönliche Gespräche. Im Gegenzug sind die Bedingungen nicht immer perfekt: Schlechtes Licht, mehrere Sprecher, schlechte Sitzposition. Zwar nutzt er oft ein Hörgerät, aber Lippenlesen ist ihm eigentlich lieber und das geht nur, wenn er den Gegenüber richtig sehen kann.

Kein Problem bei Standardfällen

Solange die Detektei die üblichen Überwachungen macht, recherchiert und Dokumentationen zusammen stellt, ist das oft auch kein Thema. Zumal Frankie Reynolds sich in Auslan übt, um die Zusammenarbeit zu erleichtern. Bei einem Krimiplot aber muss es geradezu Probleme geben. Nächtliche Überfälle zum Beispiel, Gegner von hinten … es gibt viele Möglichkeiten, Caleb Zelic in Gefahr zu bringen.

Komisch, dass manche Dinge am Tag danach mehr wehaten: Wunden, Trennungen, Sorgen.

Zelic bekommt natürlich noch Probleme mit seiner Ex, die zwischen “eigentlich schon” und “lieber nicht” schwankt — Paarprobleme als Thriller-Zutat, ohne die es nicht zu funktionieren scheint. Aber sie hilft ihm wenigstens und auch ihre weit verzweigte Familie bleibt ihm gewogen. Dazu gut austariert, wo sich die Bösen verbergen, denen man nicht trauen sollte und die Guten, die am Ende für einen Ausweg sorgen. Naja, bis auf einen kleinen Punkt beim Finale, wie üblich, wo noch ein wenig Spannung, noch ein wenig Willkür und Gewalt nötig scheint, um wahlweise das Ende aufzupeppen (was nicht nötig gewesen wäre) oder für den nächsten Band einen Cliffhanger zu schaffen (was ebenso wenig nötig gewesen wäre). Dennoch. Emma Viskic macht einen geradlinigen Thriller aus den Elementen, der für mich sehr gut funktioniert.

Bibliografische Angaben

Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-06168-1
Originaltitel: Resurrection Bay
Erstveröffentlichung: 2015
Deutsche Erstveröffentlichung: 2020
Übersetzung: Ulrike Brauns

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