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Helene Bockhorst – Die beste Depression der Welt

Helene Bockhorst - Die beste Depression der Welt

Eigentlich hat Vera das, wovon manche Menschen träumen: Einen Buchvertrag. Sie schrieb in ihrem Blog offen über einen Selbstmordversuch. Der Text ging viral und ein Verlag ergriff die Chance: Vera ist die perfekte Autorin für einen Ratgeber über Depressionen.

Aber die Depressionen gehen natürlich nicht weg, nur weil jemand Potenzial in den Erfahrungen der jungen Frau sieht. Sie zweifelt an ihren Plänen und hangelt sich durch Selbstversuche zwischen Lach-Training und Meditation. Vielleicht hilft’s ihr ja entweder persönlich oder wenigstens beim Schreiben?

Vielleicht bin ich auch die falsche Person, um ein Buch zu schreiben, aber keiner hat es mir gesagt, und jetzt ist es zu spät.

Ähnlich wie Anika Decker oder Jasmin Schreiber packt auch Helene Bockhorst ein sehr ernstes Thema an, verpackt es ebenso wie sie mit einer passablen Portion Selbstironie und Humor. Wie sie das macht, nimmt dem Thema die Schwere, ohne es ins Lächerliche zu ziehen. Denn neben den guten Tagen gehen die schweren ja nicht weg. Die mit den Selbstzweifeln und den leeren Stunden im Bett, in denen Vera eigentlich weiß, dass sie was tun müsste, es aber ums Verrecken nicht hinbekommt.

Das schiefe Bild der Depression

Tage, die auch Helene Bockhorst kennt. Das macht den Roman für mich so wertvoll. Es schreibt eben nicht “irgendeine” Autorin gut recherchiert über Depression, sondern eine, die das selbst erlebt (wie auch Decker und Schreiber ihre Themen aus dem Effeff kennen). Inklusive der Mitmenschen, die sich wundern, dass Depressive Humor haben (“meine Bewältigungsstrategie”, sagt Bockhorst), schön sind, jeden Tag zur Arbeit gehen oder, wie Bockhorst, mit so einer Krankheit auf der Bühne stehen können. Das Bild von Depression in der Gesellschaft ist halt immer noch schief.

Veras Freundin Pony zum Beispiel hat bereits ein Manuskript fertig, nur kaufen will es keiner: “Es sei nicht nachvollziehbar, warum eine schöne, kluge Frau Ende Zwanzig an Depressionen leide”, heißt es. Dabei muss Depression keineswegs durch einen tragischen Vorfall ausgelöst werden. Sie kann einfach da sein und nur, weil es für die Dramaturgie von Romanen gut funktioniert, ist es für das Bild von Depression in der Gesellschaft nicht gerade vorteilhaft. Der Roman von Helene Bockhorst kann also neben der Unterhaltung noch ein bisschen mehr, nämlich etwas gerade rücken, was sich in der Wahrnehmung und Akzeptanz von Depression und Depressiven verschoben hat.

Am besten, stellt Vera fest, ist es wohl, sich so zu nehmen, wie man ist. Mit den Höhen und eben auch den Tiefen. Sagt’s und fängt mal wieder an, an diesem Ratgeber zu schreiben. Und dieser Ansatz ist vielleicht gar nicht zum Scheitern verurteilt …

Wenn ich endlich mein Buch schreibe, soll es nicht so viele Seiten haben. Das ist dann für die Leute einfacher zu lesen (und für mich einfacher zu schreiben). Ich könnte auch einige Bilder integrieren. Oh, und ein paar Seiten könnten frei bleiben! “Raum für Notizen …”

OK, sehr gerne: Raum für Notizen …





Bibliografische Daten

Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3-550-20076-2
Erstveröffentlichung: 2020

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