Alyre Morelon ist rund um Banon mit seinem Trüffelschwein Roseline unterwegs, während seine Frau Francine mit dem schmalen Hausetat gelegentlich in der Stadt Schmuck kauft, den sie über alles liebt. Das ruhige Hofleben nimmt ein Ende, als Roseline bei einem Rundgang angegriffen und mit Schürfwunden zurückkommt. Alyre weiß zwar nicht, wer es war, aber ist sich sicher, dass einer der anderen Trüffelspezialisten im Dorf dahinterstecken muss.
Und ein wenig Unruhe bringt auch Kommissar Laviolette nach Banon, als er bei der Wirtin Rosemonde einquartiert wird. In nur drei Monaten sind in der Gegend von Banon fünf junge Menschen verschwunden, die auf der Durchreise waren. Laviolettes einziger Anhaltspunkt ist eine kleine, halb verfallene Kirche, in der sich die Aussteiger eingerichtet haben.
Er soll sich nur ein bisschen umsehen, heißt es. Nun denn, so hört er sich um, und unternimmt „Ermittlungen auf Zehenspitzen“, wie er selbst sagt. Sitzt abends mit den Bauern und Trüffelsuchern bei Rosamonde, und hört von finanziellen Nöten, lokalen Tratsch und seltsamen Vorfällen. Obendrein nutzt er die Gelegenheit, endlich den Marquis des Brèdes wiedersehen zu können, einen alten Freund aus der Résitance.
„Solche Geschichten passieren nur mir. Die anderen kriegen immer schöne dicke Fälle mit echten Ganoven und Zuhälter mit kugeldurchlöchterten Bäuchen. Mir hingegen schanzt man immer Geschichten von Verrückten zu!“
Ein Verrückter bekommt Angst
Doch dann wird in einer großen Kühltruhe des Hotels der erste Verschwundene gefunden. Der Baron erzählt eine Anekdote, wie ein Buch von „sechzehnhundertsoundsoviel“ bei einem seiner Empfänge verschwunden ist. Rosamonde bekommt heraus, dass Francines Schmuck gar nicht aus dem Kaufhaus zu stammen scheint und Laviolette muss plötzlich verdammt schnell denken.

Laviolette ist unter den Ermittlern ein einzigartiger Charakter. Abgestellt für merkwürdige Fälle, rustikale Lösungen und verzwickte Abhängigkeiten. Ein Kommissar, der deshalb so erfolgreich ist, weil er im Dorf zwar fremd ist, und dennoch darin aufzugehen scheint. Trotz Gaststatus so unauffällig, dass er aus den Unterhaltungen, dem Hörensagen und vorsichtigen Fragen viele Fragmente sammeln kann. Obendrein ist der Kommissar bereit, beim Filtern dieser Fragmente auch unkonventionelle Annahmen zu treffen. Egal, wie merkwürdig die entstehenden plausiblen Antworten auch sein mögen, Laviolette hat ein Gespür dafür, wann alle Bruchstücke an ihrem richtigen Platz liegen.
Doku-Tipp: Pierre Magnans mörderische Provence (arte, bis 4.6.2026)
Bibliografische Angaben
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-10-560318-5
Originaltitel: Le commissaire dans le truffière
Erstveröffentlichung: 1978
Deutsche Erstveröffentlichung: 2002 (diese Ausgabe: 2015, Ebook)
Übersetzung: Irène Kuhn
