Der Privatdetektiv Kosuke Kindaichi braucht Ferien. Er erhält von seinem guten Bekannten, Kommissar Isokawa, den Tipp, dazu ins entlegene Dorf Onikobe zu reisen. In einem kleinen Talkessel gelegen, ist es nur über einen kleinen Pass erreichbar. Viele Höfe und Häuser gibt es nicht, aber ein kleines und ruhiges Onsen namens „Schildkrötenbad“. Ruhe müsste dort eigentlich problemlos zu finden sein. Allerdings wird Kindaichi den Eindruck nicht los, dass Isokawa mit der Empfehlung mehr im Sinn hat. Denn vor über 20 Jahren wurde der Ehemann der Onsen-Wirtin ermordet und der Fall ist bis heute ungeklärt.
Ich bin hier, um mich zu langweilen.
Zunächst verläuft der kleine Urlaub nach Plan. Der Detektiv ist zwar bald als solcher bekannt, kann aber die Tage genießen. Ein wenig lässt er sich auch von der Vorfreude der Dorfbewohner anstecken, die die populäre Sängerin Yukari Ozora im Dorf erwarten. Sie wuchs in Onikobe bei den Großeltern auf und wird nun zum lokalen Obon-Fest erwartet. Doch die Feiern schlagen schnell in Schrecken um. Eine der jungen Frauen aus dem Dorf wird tot aufgefunden. Und nicht nur das; ihr Körper wurde auf eine seltsame Art drapiert.
Ein Kinderreim als Schlüssel?
Kindaichi wird bald auf einen alten Abzählreim aufmerksam gemacht. Darin erzählen drei Spatzen von den Missetaten eines früheren Fürsten in der Region. Merkwürdigerweise liegt die erste Tote mit Gegenständen an der Fundstelle, die zum ersten der Reime passen. Kein Wunder also, dass der Detektiv ein mulmiges Gefühl bekommt und dankbar dafür ist, dass Kommissar Isokawa mit seinem Team in der Nähe ist. Isokawa wiederum ergreift die Möglichkeit sofort beim Schopf, erneut in Onikobe ermitteln zu können. Die Hoffnung auf eine Lösung seines früheren Cold Cases lässt ihn nicht los.
Die Fans klassischer Krimipuzzles kommen beim fünftem Fall wieder voll auf ihre Kosten. Es ist die Sorte Krimi, die von einer ausgebufften Konstruktion lebt. In einem Interview hat Yokomizo einmal erzählt, er habe nicht einmal eine Woche gebraucht, um die Grundzüge des Falls zu entwerfen. So viel sich die Ermittler aber auch besprechen, Kindaichi wird erst zum Schluss offenlegen, welche Vermutungen er aufgestellt hat, warum er Verdächtige ausgeschlossen hat und welche Finten ihm bei der Überführung geholfen haben.
„Die Spatzenmorde von Onikobe“ erschien zunächst als Fortsetzungsgeschichte. Möglicherweise erklärt das die Dreiteilung des Romans und die vielen Unterkapitel. Am Stück gelesen aber macht die ursprüngliche Erzählform keinen Unterschied. Ein wenig Zeit braucht es in diesem Fall, um sich mit den Personen vertraut zu machen. So klein das Dorf ist, so kommen doch einige Familien und Verwandtschaften zutage. Hat man die groben Verhältnisse einmal sortiert, steht dem fintenreichen Katz-und-Maus-Spiel nichts mehr im Weg.
Bonustipp

Der japanische Vlogger Cotatsu Travel hat einige Drehorte einer Verfilmung in der Nähe von Kobe besucht. Dank automatischer Übersetzung ist es möglich, seiner Erzählung zu folgen und Fotos aus dem TV-Drama zu sehen.
Reihenfolge der Serie „Kosuke Kindaichi“
Die Liste umfasst die bisher übersetzten Titel. Die Serie insgesamt besteht aus 77 Fällen (Romane und Kurzgeschichten), von der nie alle Fälle in europäische Sprachen übersetzt wurden.
- Die rätselhaften Honjin-Morde / 本陣殺人事件 (1946)
- Mord auf der Insel Gokumon / 獄門島 (1946)
- Das Dorf der acht Gräber / 八つ墓村 (1949-1951)
- Der Inugami-Fluch / 犬神家の一族 (1951) — Link: Rezension zur englischen Ausgabe
- Die Spatzenmorde von Onikobe / 悪魔の手毬唄 (1957-1959)
Bibliografische Daten
Verlag: Blumenbar
ISBN: 978-3-8412-3850-4
Originaltitel: Akuma no temariuta (悪魔の手毬唄)
Erstveröffentlichung: 1957-1959
Deutsche Erstveröffentlichung: 2025
Übersetzung: Ursula Gräfe
