Shotaro Ikenami – The Samurai Detectives

von Bettina Schnerr
2 Minuten Lesezeit
Header: Shotaro Ikenami - The Samurai Detectives, Vol. 1 & Vol. 2

Der Schwertkämpfer und Ausbilder Daijiro Akiyama hat nicht viel zu tun. Vor einem halben Jahr hat er ein kleines Dojo gegründet, um junge Schwertkämpfer auszubilden, nachdem sich sein Vater Kohei zur Ruhe gesetzt hat. Bislang ohne jeglichen Erfolg, denn er hat nicht einen einzigen Schüler. Da käme der seltsame Gast eigentlich gerade recht, denn er bietet Daijiro überraschend viel Geld, wenn er einer bestimmten Person beide Arme bricht. Daijiro leht ab und berät sich umgehend mit seinem Vater. Der gewiefte und erfahrene Mann wittert eine Verschwörung und stellt Nachforschungen an.

Wir schreiben das Jahr 1777 und Japan wird vom 10. Tokugawa-Shogun Ieharu regiert. Schwertkämpfer und ihre Dienste stehen hoch im Kurs. Zahlreiche solcher Dojos, wie das von Daijiro, bilden Kämpfer in unterschiedlichen Stilen aus und die Namen guter Schwertkämpfer sind quasi in ganz Edo und gelegentlich darüber hinaus bekannt. Die Zeiten sind politisch ruhig, und dennoch nicht ungefährlich. Denn außerhalb des Dojo sind die Schwerter bei Auseinandersetzungen definitiv nicht aus Holz.

Den Intriganten auf der Spur

Obgleich die Serie mit Daijiro beginnt, ist Kohei die eigentliche Hauptperson. Denn als Rentner erfüllt er zwei wichtige Voraussetzungen: Zeit und Menschenkenntnis. Obendrein hat er ein unschlagbares Netzwerk rund um Edo und an seinen früheren Arbeitsorten. Er kennt Wirte und Detektive, hat einen guten Namen bei Bedienungen in Wirtshäusern und kennt sich in der politischen Hierarchie der Region aus.

… and besides, I’ve had enough of sworsmanship. What’s far more intriguing than swords is all the very many different sorts of people who live in this world.

Die „Fälle“ sind nicht immer unbedingt das, was man heute unter Detektivgeschichten versteht. Für manche trifft es der Originaltitel ein bisschen besser, etwa „Schwertkämpfer-Gewerbe“. Ikenami beschreibt, wie Japan den Beruf überhaupt verstanden hat. Kampfkunst ist nur ein Baustein; den Beruf mit Hingabe und Rückgrat zu erfüllen der andere. Kohei beispielsweise kommt mehr als nur ein Mal in die Situation, dass Daijiro bei einem Auftrag selbst sterben könnte – und er nimmt es stoisch hin in dem Wissen, dass sie beide ihre Wahl freiwillig und mit Kenntniss des Risikos angenommen haben.

Lebendiges Edo

Man merkt den Geschichten gelegentlich an, dass sie ursprünglich als Serie in einer Zeitung erschienen waren – wie viele andere Romane oder Kurzgeschichten auch. Ikenami verteilt immer wieder kleine Referenzen, um an vorige Ereignisse zu erinnern. Wer von der Tradition dieser „Shimbun Shosetsu“ schon gehört hat, wird immer wieder auf solche Einsprengsel stoßen. Für unsere Lesegewohnheiten tut das übrigens keinen Abbruch. Insgesamt 16 Bücher sind mit seinen Geschichtensammlungen in Japan erschienen; drei davon sind (Stand Juni 2026) auf Englisch erhältlich.

Die Kurzgeschichten zeigen einen guten und interessanten Einblick in das historische Leben Japans. Was allerdings schwer fällt, ist, sich ein historisches Edo anstelle des heutigen Tokyo vorzustellen. Eine Stadt, in der zwischen den Vierteln Felder und Wäldchen lagen, Fußmärsche zum Haus eines Daimyo in 40 Minuten dauern können und die regierenden Familien innerhalb der Region mehrere Residenzen hatten. Eine Karte wäre eine großartige Ergänzung gewesen, war für das japanische Publikum in den 1970ern aber möglicherweise nicht nötig.

Bibliografische Angaben

Verlag: Penguin
ISBN: 978-1-405-97576-6
Originaltitel: Kenkaku Shobai (剣客商売)
Erstveröffentlichung: 1973
Englische Erstveröffentlichung: 2025
Übersetzung: Yui Kajita

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