Commissario Soneri wird zu einem Selbstmord gerufen. Ein alter Mann ist aus einem Fenster im Krankenhaus gestürzt. Vor Ort allerdings wird Soneri misstrauisch. Die Spuren lassen eher auf einen Kampf schließen, auch, wenn niemand vom Personal oder den Patienten entsprechende Hinweise beobachtet hat. Kurz darauf erfährt der Commissario von der seltsamen Geisterfahrt des Schiffers Tonna. An einen Zufall mag er nicht glauben, denn der tote Mann war Tonnas Bruder. Soneri setzt beim Staatsanwalt eine Zusammenlegung der beiden Fälle durch. Nun steht er unter misstrauischer Beobachtung des Staatsanwalts und will keinen Fehler machen. Doch Soneri kann sich dem rätselhaften Schiffer am Po widmen, bei dem er die Lösung zu finden glaubt.
Mit Commissario Soneri spielt ein Ermittler aus jener Liga mit, die ihren Instinkten folgt und sich dabei im Ernstfall auch gegen die Kollegen oder den roten Faden in den Ermittlungen stellt. Dabei wirkt Commissario Soneri nicht unbedingt unsympathisch. Auch, wenn er Gespräche so weit auf Fakten reduziert, dass oft nicht einmal ein ‚Guten Tag‘ drin ist. Das liegt sicher auch an den Kollegen, von denen Varesi ihm genug zur Seite gestellt hat, die ihn schlicht zu nehmen wissen und die ihm das nicht krumm nehmen.
Eine Flussebene prägt das Leben und die Geschäfte
Und doch macht Soneri in diesem Fall einer die Hauptrolle streitig: der Fluss Po. Mit ihm, seinem Hochwasser und dem häufigen Nebel steht und fällt die Ermittlung. Eine Landkarte im Buchumschlag zeigt, warum der Po so eigen ist. Viele Windungen und Altarme sowie ein flache Ebene leben mit dem Fluss. Jedes Hochwasser betrifft weite Landstriche und die vielen Arme machen die Poebene zu einer Region, in der sich zahlreiche Arten von Geschäften tätigen lassen, ohne dass jemand viel mitbekommen würde. Und selbst wenn, lassen die Einwohner einander gewähren. Das muss auch Soneri erfahren, dem just über den Po viel erzählt wird, über Tonna und seinen Bruder aber kaum etwas. Dabei haben die Brüder eine für den Fall interessante Vergangenheit, über die jedoch Tipps von den Kollegen kommen müssen, bevor Soneri die richtigen Schlüsse ziehen kann.
Soneris Fall zählt zu den Vertretern der ruhigen, aber spannenden und interessanten Geschichten. Geschichten, bei denen in der Vergangenheit gebuddelt wird. Geschichtsstunden sind jedoch keine zu erwarten. Varesi baut nur so viel Geschehen aus den Jahren um 1944 ein, damit die Schrecken verständlich werden und die Bezüge zu Heute nachvollziehbar. Ein atmosphärischer Kriminalroman, der — wie ich über Tobias Gohlis herausgefunden habe — auf einem wahren Fall beruht.

Bibliografische Angaben
Verlag: rororo
ISBN: 3-463-40468-0
Originaltitel: Il fiume delle nebbie
Erstveröffentlichung: 2003
Deutsche Erstveröffentlichung: 2005
