Hiyoko Kurisu – Der Laden in der Mondlichtgasse

von Bettina Schnerr
2 Minuten Lesezeit
Header: Hiyoko Kurisu - Der Laden in der Mondlichtgasse (als Hintergrund Fläschchen mit Konpeito, die in der Geschichte eine Rolle spielen)

Ganz glücklich ist Schülerin Kana gerade nicht. Ihr Freund hat wegen einer Aufnahmeprüfung viel zu tun und alles fühlt sich eher nach einer Trennung an, statt nach einer Zeit mit weniger persönlichen Treffen. Als sie mal wieder an einem Schrein vorbeikommt, klafft neben ihr plötzlich eine Lücke in den Büschen und eine alte Einkaufsstraße kommt zum Vorschein. Neugierig geht sie in das einzige offene Geschäft, die Confiserie Kohaku. Ein wenig merkwürdig scheint der Inhaber zu sein, denn er besteht darauf, dass den Weg hierher nur Menschen fänden, deren Dasein ins Wanken geraten ist. Dennoch kauft Kana eine Packung Konpeito – kleine Zuckerbonbons, von denen sie nur eines pro Tag essen soll, obwohl das speziell bei dieser Süßigkeit fast unmöglich ist.

Auf ähnliche Weise kommt der Immobilienmakler Koguma in die Confiserie, der glaubt, nicht ernst genommen zu werden. Auch die Studentin Yui, Risa, die Trompeterin aus dem Schulorchester, und zum Schluss der junge Akifumi finden die seltsame Einkaufsstraße, die sonst nicht auffindbar ist.

Die Confiserie führt in diesem Fall nicht irgendwer, sondern ein Fuchsgeist. Kogetsu versucht seit geraumer Zeit bereits, die Gefühlswelt der Menschen zu erforschen und jeder Verkauf soll ihn der Frage ein Stück näherbringen. Bleibt zum Beispiel ein Konpeito übrig, lässt Kogetsu es verschwinden und sammelt die darin gespeicherten Gefühle.

Was bedeutet es, ein Mensch zu sein?

Hiyoko Kurisu - Der Laden in der Mondlichtgasse

„Der Laden in der Mondlichtgasse“ ist eine jener Healing Novels, wie sie derzeit vielfach in die Buchläden schwappen. In diesem Fall verändern diverse Süßigkeiten die Lebenswege der sechs Personen. Oder anders gesagt: Der Eindruck, dass die Süßigkeiten es könnten, lässt Schülerinnen wie Makler im Alltag ein wenig mehr experimentieren. Hiyoko Kurisos erzählierischer Weg ist es, an Menschen mit kritischer Selbstwahrnehmung zu appellieren, ein wenig mehr aus sich herauszugehen. Und sich gleichzeitig in ihrer Persönlichkeit so zu akzeptieren, wie sie sind.

So „herzerwärmend“ die Geschichten auch sein sollen, der Zauber des Episodenromans verfliegt schnell. Bei der dritten Episode bereits gewinnt der Eindruck überhand, dass Schablonen Regie führen: Problem entwickeln und es einer Person zuschreiben, die es ein Kapitel lang tragen und ausbaden muss. Lediglich das finale Kapitel fällt insgesamt aus dem Rahmen. Wie Kogetsu, der Fuchsgeist, überhaupt an diesen Laden geraten ist, ist eine interessante Geschichte und eine Geschichte für sich.

Ähnlich plakativ habe ich „3000 Yen fürs Glück“ in Erinnerung, oder „Das Glück bringt eine Katze„. Man weiß leider nie vorher, ob eines der „heilsamen“ Bücher wirklich gut zu lesen ist und gute Fragen aufzuwerfen weiß. Oder ob es eher klebrig süß oder gelangweilt daherkommt. Wirklich „glücklich“, wie zuvor versprochen, hat mich dieses Buch nicht gemacht.

Japanische Cover-Revue

Kurisu hat eine vierteilige Serie geschrieben, die in dieser Mondlichtgasse spielt. Und was ich sicher weiß, ist, dass ich die originalen Cover (unabhängig vom Inhalt) sehr viel angenehmer finde — weil sie die Serie nicht nur tragen, sondern viel gediegener wirken. Ein wenig verspielt, ohne kitschig zu sein. Wobei man zugestehen muss, dass die Anspielung auf jenes Schreingelände, das den Zugang ermöglicht, anhand der Motive auf dem Cover nur Japaner:innen (oder Nerds) verstehen dürften. Aber da Droemer ganz darauf verzichtet hat, kann das so tragisch nicht sein.

Ob die restlichen Bände ihren Weg ins Deutsche finden? Falls ja, dann geht es der Reihe nach noch zur Post, ins Teehaus und in die Bäckerei.

Bibliografische Daten

Verlag: Droemer
ISBN: 978-3-426-56125-6
Originaltitel: Yuyamudori Shotengai – Kohaku Yogashiten (夕闇通り商店街 コハク妖菓子店)
Erstveröffentlichung: 2022
Deutsche Erstveröffentlichung: 2025
Übersetzung: Charlotte Scheurer

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