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The trouble with Harry; Szenefoto aus der Verfilmung mit Shirley MacLaine. Foto: Paramount Pictures

Jack Trevor Story – Immer Ärger mit Harry

Auch wenn es oft schon lange her ist, lösen manche Filme immer noch Bilder im Kopf aus. Der Klassiker “Immer Ärger mit Harry” (Trailer) von 1955 ist so ein Fall. Die Erinnerungen sind vage, aber zumindest so abgelegt, dass ich diesen Film in guter Erinnerung habe und ihn immer noch blind empfehlen würde. Verborgen allerdings blieb mir, dass es für diesen Film eine Romanvorlage gegeben hatte. Das Original von 1949 stammt vom Briten Jack Trevor Story und der Bibliografie zufolge war es sein erster veröffentlichter Roman. Story war ein richtiger Vielschreiber, heißt es, der in der Regel innerhalb von zwei, drei Wochen mit einer Geschichte fertig war.

Nur auf Deutsch war der Roman nie erschienen. Nach dem Film nicht und auch dann nicht, als er in den 1970er und den 1980er Jahren auf Englisch noch mehrfach neu aufgelegt wurde. Diese Lücke schließt seit 2018 die Ausgabe des Dörlemann Verlags, dessen Chefin den Ruf hat, eine Verlegerin mit einer “untrüglichen Spürnase für das Wertvolle im Übersehenen” zu sein.

Ein Toter mit drei Mördern

Im Wald nahe einer Bungalowsiedlung liegt ein ortsfremder Toter. Zuerst findet ihn der vierjährige Abie, der sofort zurückrennt und seine Mutter alarmiert. Captain Wiles will ihn währendessen schnellstmöglich verstecken. Er ist überzeugt, bei seiner Hasenjagd daneben geschossen zu haben. Doch so viel Ruhe hat er nicht. Die halbe Siedlung kreuzt im Wald auf: Schmetterlingsfänger, Liebespaare, Landstreicher und Nachbarn. Der Tote lässt sich absolut nicht mehr verheimlichen und obendrein glauben am Ende drei Menschen, sie hätten den Toten auf dem Gewissen.

Jack Trevor Story hat eine sehr britische Geschichte geschrieben. Gespickt mit schwarzem Humor und einer makaberen Note. Mit klugen Anspielungen auf Doppelmoral und mit großartigen Dialogen. Unter den Hollywood-Regisseuren konnte praktisch auch nur ein Brite wie Alfred Hitchcock auf die Idee kommen, daraus einen Film zu machen (seine amerikanischen Berater sollen ihm ernsthaft davon abgeraten haben). Eine Leiche, die niemanden recht traurig macht, sondern eher ein Auslöser ist, dass verschiedene Dinge in der Bungalow-Siedlung in Ordnung kommen und neu sortiert werden. Eine Leiche, die mehrfach eingebuddelt und wieder ausgebuddelt wird, je nachdem, welcher Ausweg aus dem Dilemma gerade optimal scheint.

Eine Perle im Bücherschrank

Das Buch ist viel besser als der Film? In diesem Fall nicht, zumindest nicht sehr, würde ich sagen; die beiden sind sich durchaus ebenbürtig. Zwar hat Hitchcock einige Änderungen gemacht, aber der Charakter des Filmes mit seinen absurden Wendungen blieb erhalten (Trailer zum Film). Das Buch kommt zum Beispiel ohne Polizei aus und konzentriert sich ausschließlich auf die Gewissensbisse der Menschen. Das bringt viel Spannung in den schrägen Humor der Geschichte. Der Film wiederum konzentriert sich mehr auf Shirley MacLaine in ihrer ersten großen Filmrolle. Im Film reichen sie und John Forsythe für die Liebesgeschichte; im Buch gibt es ein paar Figuren mehr, sie sich hinterherlaufen.

Ich habe keine Ahnung, was mich bei Jack Trevor Story außerdem an Geschichten erwartet. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass sich in seinem Werk noch das eine oder andere gute Buch verstecken könnte. Jedenfalls ist der Ärger, den Harry verursacht, ein echtes Versprechen und ganz großes Bücherkino.

Bibliografische Angaben

Verlag: Dörlemann
ISBN: 978-3-03820-054-3
Originaltitel: The Trouble with Harry
Erstveröffentlichung: 1949
Deutsche Erstveröffentlichung: 2018
Übersetzung: Miriam Mandelkow


Foto: Paramount Pictures

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