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José Luis Correa – Kanarische Intrigen

José Luis Correa – Kanarische Intrigen

Die hinreißende María Arancha kommt ins Büro des Privatdetektivs Ricardo Blanco und bittet um Ermittlungen. Ihr Verlobter Toñuco ist tot, aufgefunden mit einem Einschussloch im Kopf. Die Polizei tippt auf Selbstmord, sie selbst hält das für völlig unmöglich. Schließlich seien sie nahe an einer Heirat gewesen. Auch Blanco hält die polizeiliche Theorie nach Begutachtung der Tatort-Fotos für nicht schlüssig. María Arancha schleust den Detektiv daher zügig in ihren wohlhabenden und illustren Freundeskreis ein, damit dieser dort den wahren Schuldigen entlarven kann.

José Luis Correa - Kanarische Intrigen. Ein Fall für Ricardo Blanco.

Und so lernt Blanco, getarnt als ehemaliger Studienkollege Marías, die Freunde seiner Auftraggeberin kennen. Sie gehen gemeinsam essen und quasseln, was das Zeug hält. Immer mehr gewinnt Blance den Eindruck, dass er in eine Clique geraten ist, die viel Lärm macht, und trotzdem stecken geblieben ist. In Unsicherheiten, geplatzten Träumen oder Fantasien und vielleicht auch einem inneren alleine sein.

Bei einem Segeltörn landet Blanco im Wasser. An einen Zufall glaubt er da schon längst nicht mehr. Seine Tarnung ist aufgeflogen. Und schlimmer noch: Irgendjemandem gefällt nicht, dass Blanco die Clique auf eine erst vor kurzem verschwundene Bekannte angesprochen hat. Die Zeichen mehren sich, dass Blanco auf der richtigen Spur ist.

Über die Einsamkeit

Mit dem aktuellen Titel der Neuauflage klingt Correas Buch wie ein Ferieninsel-Krimi unter vielen. Aus „Drei Wochen im November“ wurde das knackigere „Kanarische Intrigen“. Ein bisschen Reiseführer, ein bisschen Krimi, ist zu vermuten. Doch das ist der Roman zum Glück nicht — wer sieht, aus welchem Verlagshaus das Buch kommt, erwartet das wahrscheinlich auch nicht.

José Luis Correa spart sich den überschäumenden Lokalkolorit. Er sagt über seine Romane: „Meine Hauptfiguren sind ganz normale Menschen und für die schreibe ich auch.“ Sein Ricardo Blanco ist ein nachdenklicher Typ. Einer, der den Fall mit einem gewissen zeitlichen Abstand rekapituliert. Als wolle er sich über seine Fehler im Klaren werden. Passiert sind ihm bei diesem Fall ein paar, wegen Schwachstellen, die er nur allzu gut kennt.

Die Clique erinnert, je weiter man kommt, umso mehr an den Freundeskreis aus dem Film „Glass Onion„. Unter der Oberfläche brodeln kleine Geheimnisse und es fühlt sich ganz genauso an, wie beim Film: Wenn es krachen wird, wird es zahlreiche Scherben geben.

Correas Stärke ist die ruhige, bildhafte Sprache, mit der er auf das Finale zusteuert. Mit der er die High Society vom Thron holt, die inneren Kämpfe seiner Figuren bespricht, seine Bekannten in ihrem Alltag begleitet. Ein Kanarenkrimi ohne Schaumschlägerei.

Bibliografische Angaben

Verlag: Unionsverlag
ISBN: 978-3-293-20995-4
Originaltitel: Quince días de noviembre
Erstveröffentlichung: 2003
Deutsche Erstveröffentlichung: 2006 (als: Drei Wochen im November)
Übersetzung: Verena Kilchling

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