Seraina Kobler – Tal der Schwalben

von Bettina Schnerr
2 Minuten Lesezeit
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In einer nahen Zukunft lebt die Schweiz in einer geteilten Welt. Zahlreiche Bergregionen wurden wegen der zunehmenden Steinschläge und Bergrutsche zwangsgeräumt. Viele Täler wurden zu großen Stauseen, die die Energie für die so genannte Metropolitane liefern. Dieser Großraum ist ein Zusammenschluss der Deutschschweiz, der sich vor allem von den französischsprachigen Kantonen abgrenzt. Ein einziger Stromkonzern besitzt noch das Liefermonopol, derweil die Ölfördermengen auf ein Minimum gedrosselt wurden und mit dem verfügbaren Öl nur noch „systemrelevante“ Produkte wie Medikamente hergestellt werden dürfen.

In dieser wenig sympathischen Organisation forscht der junge Alesch an einer neuen Form der Energieproduktion, die die nicht ganz ungefährliche Arbeit an den Stauseen in den alpinen Risikogebieten beenden könnte. Seine Arbeit führt ihn eines Tages in seinen Heimatort Pradetta, eines der wenigen Täler, in denen noch Menschen leben dürfen. Verborgen hinter Sperren, damit außer ihnen und den Mitarbeitenden am Staudamm niemand hineinkommt.

Überlebende Inseln in einer verwüsteten Welt

Seraina Kobler beschreibt vieles nicht detailliert, aber es ist klar, dass die Metropolitane sich nur mit einem Kraftakt durschschlägt. Auf der einen Seite wird am Genfersee eine große Landesausstellung produziert, auf der anderen Seite werden schon seit Monaten Tiefgaragen oder Kirchen mit Flüchtlingen gefüllt, die aus verwüsteten oder überschwemmten Gebieten fliehen müssen. Deren Zustrom nimmt trotz strenger Zollkontrollen nicht ab.

Was bringt uns weiterer Forschritt, wenn er zerstört, woraus er sich speist?

Auch politisch spitzt sich die Situation zu. Gegen das Monopol der Stromgesellschaft organisiert sich Widerstand, weil viele Leute verstanden haben, dass sie nur durch politische Protektion und viele Vorwände ihre Stellung halten kann. Auch Pradetta wird zum Spielball – und Alesch soll unwissentlich zum Manipulator werden, damit die Stromgesellschaft in diesem Tal „freie Hand“ bekommt. Der junge Mann jedoch ist so sehr Forscher, dass er eigene Messgeräte mitnimmt und schnell merkt, dass im Tal etwas Ungewöhnliches vorgeht.

Das Ziel: Probleme lösen statt bewirtschaften

Die Romanhandlung von „Tal der Schwalben“ hat mich weniger beeindruckt als die klare Analyse, die dahinter steckt. Koblers Zukunft erinnert daran, dass die heutige Blockade nachhaltiger Wirtschaft die Probleme verschärft statt löst. Dass es einfache Lösungen wie Solarenergie gibt, die Politik ihre Arbeit aber als Show begreift und lieber „technologieoffen“ millionenschwere Förderung in riskante Projekte steckt. Aleschs Fusionstechnologie ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie Politik auf Technologien setzt, deren wirtschaftliche und technische Brauchbarkeit nie so recht feststeht. Eine Technologie, die sich — wenn eigentlich Lösungen von heute auf morgen auf den Tisch müssen – einfach nur jahrelang gut auf Konferenzen und in Interviews macht.

Ihr Professor gehört ganz offensichtlich zu jenen Menschen, die Probleme mit der Logik lösen wollen, aus der sie entstanden sind.

Eigentlich ein frustrierendes Buch. Weil nach Ende der Lektüre sich wohl kaum etwas ändern wird. Und das, obwohl die Auswirkungen des Klimawandels immer heftiger werden, die Verstrickungen von Politik und fossiler Industrie bekannt und sichtbar sind. Wenn weder Bücher wie dieses oder dieses oder dieses helfen, Recherchen, Forschung und Zeitungsbeiträge ebensowenig und die Politik so tut, als mache sie genug … dann könnte „Zeit der Schwalben“ in ein paar Jahren ein Titel sein, den man herausholt und sagt „oh, das hat Seraina Kobler 2026 bereits beschrieben“. Wollen wir das?

Bibliografische Angaben

Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-07377-5
Deutsche Erstveröffentlichung: 2026

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