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Adrian McKinty – Rain Dogs

Adrian McKinty - Rain Dogs

Sean Duffy verrichtet seinen Dienst in Nordirland, zur Hochzeit der IRA. Der regelmäßige Blick unter das Auto zur Prüfung auf Sprengfallen gehört für Polizisten in dieser Zeit zum Standardprozedere. Duffys Freude darüber, dass er den schwierigen, aber faszinierenden Personenschutz bei einem Besuch von Muhammad Ali leisten darf, währt nicht lange. Sein nächster Einsatz: Ein Brieftaschendiebstahl in einem Hotelzimmer. Duffy kann nicht recht glauben, dass sich seine Abteilung nur darum kümmern soll, um bei der betroffenen Gruppe finnischer Geschäftsleute einen guten Eindruck zu hinterlassen.

Wie macht man sich bei seinen Nachbarn so richtig beliebt, nachdem sie sich nach sieben Jahren so langsam an einen gewöhnt haben?
Man hämmert an die Türen. „Raus! Alle raus! Alle ans Straßenende!“
„Aber es regnet doch.“
„Unter meinem Wagen hängt eine Bombe! Alle raus!“

Interessant wird es für Duffy und seine Abteilung erst, als die Londoner Journalistin, die die Finnen begleitet, tot in der Festung von Carrickfergus gefunden wird. Alles sieht nach Selbstmord aus: Lily Bigelow fällt vom Turm einer Anlage, die nachts hermetisch abgeriegelt ist. Mord scheint damit klar ausgeschlossen und trotzdem gefällt Duffy die einfache Lösung kein bisschen. Unstimmigkeiten an der Leiche sind dabei das kleinere Problem. Das größere ist: Duffy hat bereits einen Locked Room-Fall hinter sich (in: Die verlorenen Schwestern). Ihm begegnet mit dieser Doppelung also ein höchst unwahrscheinliches Szenario — aber genau dieser seltsame Zufall macht ihn misstrauisch.

Zuviele Zufälle können keine Zufälle sein

Finnische Geschäftsleute suchen einen Standort und neue Geschäftsbeziehungen, die Journalistin hingegen stellt ungewöhnlich wenig Fragen, während sie die Finnen durch verlassene Fabrikhallen begleitet. Eigentlich ist sie hinter einer völlig anderen Geschichte her und Duffy hat ein mögliches Motiv in der Hand: Korruption und Amtsmissbrauch innerhalb der höchsten Regierungskreise Großbritanniens und darüber hinaus. Doch nun wird erst recht gemauert und Duffy bekommt bei seinen Recherchen kaum Handfestes zu packen.

Heute weiß man deutlich mehr (und trotzdem noch lange nicht alles) über pädophile Netzwerke in England und die Organisation von Prostitution in dieser Zeit, doch für Duffy wird die Aufklärung des Mordes zu einem Kampf gegen unbekannte, aber bestens organisierte Gegner. McKinty merkt in einem Nachwort Details zu diesem erschreckenden Kapitel Zeitgeschehen ein, das er in seinen Roman eingebunden hat.

Ein Blick zurück mit Erschrecken

Auch sonst arbeitet er präzise mit den politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Zeit, der Angst vor Anschlägen, die marode Wirtschaft, die musikalischen Etappen von U2 oder Duran Duran oder dem Thema Abtreibung und Familienplanung. Schaut man heute mit dem umfangreicheren Wissen auf den Kriminalfall zurück, verleiht der wissende Blickwinkel McKintys Geschichte deutlich mehr Anspannung – der Leser ahnt nicht nur, rät nicht nur mit, er weiß tatsächlich mehr als der Ermittler und etwas Ungutes mit viel Tragweite noch dazu.

Rain Dogs ist bereits Duffys fünfter Fall — einerseits ein Jammer, lernt man den konsequenten Kriminalbeamten erst jetzt kennen, andererseits glücklicherweise kein Problem, da sich das Buch hervorragend ohne Vorkenntnisse lesen lässt.

Duffys Soundtrack zum Buch: „Altes Zeug. Elvis und so’n Scheiß“

Elvis – In the ghetto
Rolling Stones – Gimme shelter
Ella Fitzgerald – I’ve grown accustomed to his face
Wolfgang Rihm – Klavierstück Nummer 1 / mit Hörprobe
Ludwig van Beethoven – 7. Symphonie, von Karajan dirigiert

Bibliografische Angaben

Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3-51846-747-3
Originaltitel: Rain Dogs
Erstveröffentlichung: 2015
Deutsche Erstveröffentlichung: 2017
Übersetzung: Peter Torberg

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