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Was außerdem zu empfehlen ist – 2021

Empfehlungen aus thurgaukultur / Foto: Carson Masterson, unsplash

Bereits im letzten Jahr hatte ich im Rahmen meines Jahresrückblicks einen Blick auf jene Arbeit gerichtet, die ich für das Onlineportal Thurgaukultur mache. Auch in diesem Jahr möchte ich vier Arbeiten als Lesetipp weiterreichen und ich bin mir sicher, dass ihr beim Stöbern weitere kulturelle und literarische Funde machen könnt – ganz unabhängig davon, dass der Fokus des Portals auf dem Thurgauer Schaffen liegt. Mit dabei der diesjährigen Übersicht sind Unterrichtsmaterialien für zeitgenössiche Literatur, ein besonderer Spaziergang in der Früh, eine Buchbinderei sowie ein Blick auf die Frage, wie sich Schweizer Kulturschaffende finanzieren.

Die Buchbinderei wird so schnell nicht aussterben

Davon ist Sandra Merten überzeugt, die im kleinen Gottlieben eine Buchbinderei betreibt. Gottlieben? Gehört zu Tägerwilen, was wiederum neben Kreuzlingen auf der Karte zu finden ist. Das Dörfchen Gottlieben liegt höchst idyllisch am Seerhein, ist ein Anziehungspunkt für Touristen und beherbergt obendrein das Literaturhaus des Kantons Thurgau. Womit wir beim springenden Punkt wären: Gibt es einen passenderen Ort, um eine Buchbinderei unterzubringen? Nein.

Sandra Merten wirkt also im Erdgeschoss des Hauses mit Buntpapieren, Pressen, selbst angerührtem Leim und allem, was man sonst zum Buchbinden oder Reparieren alter Schätze braucht. Ihr Arbeitsraum ist ein Platz, Wo Bücher zu Schätzen werden, wie ich finde.

Literatur im Klassenzimmer

Zeitgenössische Literatur findet man nicht allzu oft zeitnah in den Schulen. Denn wichtig ist gutes Begleitmaterial sowohl für Lehrer als auch Schüler, das für relevant erscheinende Werke erst geschaffen werden muss. In der Regel dauert das mehrere Jahre, bis Lektüreschlüssel oder Unterrichtsmaterialien nicht nur erarbeitet, sondern auch erhältlich und im Umlauf sind. Ein Team aus Lehrer:innen und Verlagsmenschen hat es im Thurgau hinbekommen, dass passend zu einer Anthologie aus dem Sommer bereits am Jahresende passende Unterrichtsmaterialien verfügbar waren. Einsetzen könnte man sie tatsächlich „sofort“; geplant sind sie aber regulär für das Schuljahr 2022/23.

Beide Werke, Anthologie und Materialien, stammen aus dem noch sehr jungen Saatgut Verlag aus Frauenfeld. Sicher ein Grund, dass es so fix ging. Aber nötig waren eben auch Köpfe, die das Potenzial rechtzeitig erkannten und so zügig umgesetzt haben. Wie kommt Literatur ins Klassenzimmer erzählt die Geschichte hinter dem wegweisenden Projekt.

Literatur unterwegs

Die Idee, mit Autor:innen gemeinsam spazieren zu gehen, gibt es schon eine Weile. Der gemeinsame Weg wird unterbrochen von kleinen Lesungen und Gesprächen, manchmal moderiert, manchmal nicht. Unterwegs ergeben sich immer neue Gesprächspartner und auch mit Autor oder Autorin lässt sich unterwegs viel ungezwungener sprechen, als bei einer üblichen Lesung. Dieses Jahr war ich mit Usama Al Shahmani unterwegs anlässlich von 30 Jahre und 6 Gäste. Morgens früh um sieben übrigens!

Eine Wahl mit Absicht: In den Romanen von Al Shahmani ist Flucht ein durchgehendes Thema, das Weggehen und das neue Wege suchen müssen. Was lag also näher, als Rahmen dafür einen literarischen Spaziergang zu wählen und über die Uhrzeit wenigstens ein bisschen das Ungemütliche von Flucht und Suche zu reflektieren?

Was ist uns Kultur wert?

Das ungemütlichste Thema hebe ich mir für den Schluss auf, als „Höhepunkt“ sozusagen. Nämlich die Honorierung von Kulturschaffenden. „Die Schattenseite der Kultur“ ist nämlich, dass jeder etwas davon haben möchte, Honorare aber trotzdem gerne gedrückt werden. Die Muster dazu sind vielfältig und teils branchenabhängig. Als Folge davon fehlt es der Mehrheit aller Kulturschaffenden nicht nur an einem vernünftigen monatlichen Auskommen, sondern vor allem an der Altersvorsorge. Was zum Einen natürlich am Auskommen liegt, zum Anderen an Vorsorgemethoden, die auf die Beschäftigungsverhältnisse in der Kultur gar nicht zugeschnitten sind.

Der üble Dreh an der Sache ist nun der: Man hat festgestellt, dass diese Beschäftigungsverhältnisse längst auf andere Branchen übergreifen. Darunter Digitalbranche, Plattformökonomie, Gastronomie und Gesundheitswesen. Neue Lösungen bei Vorsorgeeinrichtungen müssen also möglichst fix her, so fix sich das mit all den politischen Abläufen eben machen lässt, denn sie werden schon kurz- bis mittelfristig gesamtwirtschaftlich in grösserem Umfang nötig. Ich möchte wetten, dass sich viele hiesige Probleme auf Nachbarländer übertragen lassen.


Fotos: Bettina Schnerr; Melissa Walker Horn (Gelddose, unsplash)

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