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Seicho Matsumoto – A quiet Place

Seicho Matsumoto - A quiet Place

Wer auf der Suche nach einem klassischen Krimi aus japanischer Feder ist, könnte zu Seicho Matsumoto greifen. Ob aber dieses Buch oder ein anderes? Schauen wir uns das einmal an.

Matsumoto (1909 – 1992) war ein Vielschreiber, der bis zu sieben Bücher pro Jahr schrieb und dem nachgesagt wird, er habe damit die Detektivgeschichte in Japan bekannt gemacht. Davon wurden sehr viele millionenfach verkaufte Bestseller.

In „A quiet Place“ stirbt eine junge Ehefrau plötzlich an Herzversagen. Nach ihrem Tod fragt sich der Ehemann, warum das ausgerechnet im Stadtteil Yoyogi passierte, mit dem sie beide eigentlich überhaupt nichts zu tun hatten. Bei einer Art Kondolenzbesuch dort stellt er fest, dass in jenem Stadtteil viele Love Hotels sind, in denen sich Paare für einige Stunden einquartieren. Natürlich nicht immer miteinander verheiratete. Angetrieben von der Neugier, ihren Aufenthalt in Yoyogi zu entschlüsseln, verfolgt er die Hypothese, auch seine Frau sei dort womöglich abgestiegen.

Ein Buch wie der Ehemann

Matsumoto verfolgt die Aktivitäten des Ehemanns über mehrere Monate, der sich unter anderem mit Hilfe eines Privatdetektivs an die Geheimnisse seiner Frau heranmacht. Über weite Strecken ist das ein sehr gemächlicher Plot, der maßgeblich von den Grübeleien des Ehemannes geprägt ist. Wie sah ihre Ehe eigentlich aus? Wieviel Intimität hatten sie und hätte es mehr sein können? Waren er oder sie überhaupt attraktive Menschen? Die nahezu platonische Ehe entpuppt sich im Rückblick als pure Fassade. Der Ehemann richtete sich bequem und anspruchslos in Beruf und Zuhause ein. Die Ehefrau vertrieb sich infolgedessen die Zeit außer Haus mit verschiedenen Kursen. Solange jedenfalls, bis ein weniger bequemer, zielstrebigerer Mann ihre Wege kreuzt.

Überraschenderweise dreht der Plot kurz vor Schluss noch (was mich in gewisser Weise an Simenons Zug aus Venedig erinnerte), aber insgesamt dümpeln die Ermittlungen in viel Monotonie und es ist etwas mühsam, die Tragweite zu erfassen. Die letzten Seiten nach dem Dreh lösen die Distanzierung, die sich bis dahin zum Buch aufgebaut hat, nur schwer wieder ab.

Bibliografische Angaben

ISBN: 978-1-908524-63-8
Erstveröffentlichung: 1975
Englische Erstveröffentlichung: 2016
Originaltitel: Kikanakatta basho / 聞かなかった場所
Verlag: Bitter Lemon Press
Übersetzung: Louise Heal Kawai

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