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Magnus Beckman – Tokyo Porn

Was für ein vielversprechender Titel: Tokyo Porn. Es könnte DAS Coffeetable-Buch für alle sein, die Japan entweder schon einmal besucht haben und in Erinnerungen schwelgen oder alle, die unbedingt einmal hin wollen – jedenfalls verspricht das die Ankündigung. Dieses Buch hier aber erfüllt keinen der beiden Zwecke. „A series of curated pictures“ aus der Ankündigung wird im Buch schon zu „curated from found photos“ und das macht aus gutem Grund neugierig. Vor allem, wenn man sich die Namen der Fotografen anschaut und über welche stolpert, die einem bekannt vorkommen. Alex Knight zum Beispiel hat einige Titelbilder für verschiedene Blogbeiträge auf Bleisatz mit Japanbezug geliefert. Die Fotos von Axel Knight findet man wo? Auf unsplash, einer Fotoplattform, auf der Fotografen und Fotografinnen ihre Bilder kostenfrei zur Verwendung hochladen. Auch Christofer Tan oder Heshan Pereras Werke aus dem Bildband sind hier zu finden.

An sich hat Beckman nichts falsch gemacht. Die Fotos von unsplash – und vermutlich auch anderen Plattformen, wo er sich für das Buch bedient hat – stehen für kommerzielle Zwecke zur Verfügung. Was das Buch unnötig macht ist, dass es nichts drumherum gibt. Keine Sortierung, keine Texte, kein roter Faden. Manche Motive haben einen eigenen „Vibe“, das eine oder andere wirkt eher wie ein Schnappschuss. Knapp 50 Fotos sind irgendwie aneinander gereiht und das kann, salopp gesagt, jeder machen, der Lust drauf hat, sich ein Print-on-demand mit persönlichen Lieblingsfotos zu erstellen. Man hätte im Gegenzug allerdings „was Eigenes“ und das sollte dem weisen Loriot zufolge jeder haben, wie wir wissen.

Wahllose Auswahl

Beckman hat sich bemüht, möglichst viel abzudecken, was man mit Tokyo in Verbindung bringt: den Fuji, Straßenszenen, den Tokyo Tower, Kirschblüten, eine Frau im Kimono, Taxis im Regen und viel zu viele Bilder aus nächtlichen Straßen mit viel Leuchtreklame. Da fällt schon fast positiv auf, dass er ein Motiv der Nakamise gewählt hat, das nicht mit Blickrichtung Tempel oder mit einem groß in Szene gesetzen Tempeltor geschossen wurde, sondern Richtung Touristencenter. Dieses Center ist übrigens innen wie außen sehenswert, aber man weiß nach so vielen beliebigen Motiven einfach nicht, ob das Foto bewusst gewählt wurde oder ein Zufallstreffer ist.

Das wenig über 50 Seiten schmale Büchlein ist aus einem Papier, das die Bilder – jedenfalls mit dem Zweck Coffeetable-Book – wirklich nicht gut zur Geltung kommen lässt. Dabei spielen wohl auch Drucktechnik und Bildbearbeitung eine Rolle, die den Bildern und ihrer Farbtechnik nicht gut tun. Die Bildbearbeitung hat sich vermutlich auf das Zuschneiden beschränkt. あきらめな。しょうがないよ。

Lassen wir am Ende lieber ein Motiv aus Shinjuku von Eric Eastman in voller Pracht erscheinen:

Bibliografische Angaben

Verlag: independently published
ISBN: 979-8-58141717-1
Erstveröffentlichung: 2020


Foto: Eric Eastman, unsplash

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