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Wallace Stroby – Geld ist nicht genug

Wallace Stroby - Geld ist nicht genug

Crissa Stone ist Profi in ihrem Metier. Während viele andere Jobs kleinere Fehler verzeihen, wäre es für Stone lebensgefährlich. Stone verdient ihre Brötchen nämlich als Berufsverbrecherin. Aktuell ist sie mit zwei Männern unterwegs und bricht Geldautomaten auf. Der letzte Einsatz allerdings geht schief. Crissa macht sich aus dem Staub mit mehr Geld, als ursprünglich geplant war. Beim Versuch, die Beute zu waschen, erfährt sie von einem reizvollen neuen Job. Reizvoll, aber auch mit großen Fragezeichen versehen.

Wallace Stroby baut für diese Herausforderung einen realen Großdiebstahl von 1978 ein. Damals raubten New Yorker Mafiaclans einen Geldtransport der Lufthansa aus und erbeuteten etwa fünf Millionen Dollar plus Juwelen. Ein Großteil des Geldes tauchte nie wieder auf — eine Steilvorlage! Einer von Stones Kontakten, den sie während ihrer Geldwäsche-Aktion trifft, kennt nämlich jemanden mit einer Ahnung, wo das Geld versteckt sein könnte.

Auf zum Geld, ab zwischen die Fronten

Crissa Stone bewegt sich beruflich in denselben Gefilden wie Parker und wer die zugehörigen Krimis von Richard Stark kennt, der weiß was kommt. Es geht schief, was schief gehen kann und es sind Improvisationstalent, Schnelligkeit und ein wacher Geist gefragt. Das hängt vor allem mit Benny zusammen, der sie zum Geld führen könnte. Dieser Ex-Mafiosi war zumindest in die Vorbereitungen des damaligen Raubes eingeweiht und tauchte danach im Zeugenschutzprogramm unter.

Nun, mehr als 30 Jahre danach, hat Benny genug vom Leben in der Deckung. Prompt hat er seine Ex-Kollegen an den Fersen kleben, die ihm massiv zusetzen. Für Crisse Stone und Benny geht es nicht nur um die Frage, ob und wie sie an das Geld herankommen. “Geld ist nicht genug”, könnte man sagen: Sie müssen Bennys “zivile” Freundin schützen, die Mafiosi abschütteln und heil und spurlos wieder verschwinden können.

“Dann hat sie Pech gehabt, nicht? Hat sich mit dir abgegeben.”
“Das ist nicht recht”, sagte Benny.
“Recht”, sagte Taliferro, “hat mit all dem hier nichts zu tun.”

Rauchende Colts

Crissa Stone ist guter Hardboiled-Stil. Kompromisslos und geradeaus und im Erscheinungsjahr umgehend auf der FAZ-Krimibestenliste. Wer überleben will, muss zuerst schießen. Stroby setzt allerdings nicht alles um, was sich androht. Für eine spannende Story muss schließlich nicht alles abgedroschen werden. Wie es in der Realität aussieht, weiß man und für das Buch sind andere Aspekte wichtiger. Statt dessen taucht Stroby hin und wieder in Stones private Geschichte ein. Eine Frau, die den Lebensunterhalt für sich und ihr Kind verdient und ihren Lebensgefährten aus dem Knast holen will. Ein aussichtsloses Unterfangen allerdings, für diese Träume auf die Bahn der Normalität zurückzukehren. Stone weiß das, die Leser:innen wissen das. Man wird sich wiedersehen beim nächsten Job und hoffen, dass es besser laufen könnte.

Eine lange Kette von Pech. Ereignisse, die sie vorwärtstrieben, als wenn sie keine Kontrolle über sie hätte, keine Wahl, ihr Schicksal schon entschieden. Alles rutschte ihr weg, bevor sie es in Ordnung bringen konnte. Alles war auf dem Weg zur Hölle.


“Geld ist nicht genug” ist nicht der erste Titel rund um Crissa Stone. Los geht die Serie mit “Kalter Schuss ins Herz”. Den Titel muss man allerdings nicht kennen, um dem Lufthansa-Job folgen zu können. Wer mehr lesen will, kann fortsetzen mit “Fast ein guter Plan” und “Der Teufel will mehr”.

Bibliografische Angaben

Verlag: Pendragon
ISBN: 978-3-55205-715-9
Originaltitel: Kings of Midnight
Erstveröffentlichung: 2012
Deutsche Erstveröffentlichung: 2017
Übersetzung: Alf Mayer

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