Ein Kult-Preis in Japan, aber wenig bekannt im deutschsprachigen Raum — so lässt sich der Akutagawa-Preis kurz zusammenfassen. „Naturgemäß“, könnte man sagen, schließlich ist es ein landesspezifischer Literaturpreis für das beste schriftstellerische Werk aufstrebender Autor:innen. Und doch profitieren Fans japanischer Literatur direkt davon. Denn für Übersetzungen ist der prestigeträchtige Preis immer wieder eine zuverlässige Quelle.
Gestiftet hat den Preis 1935 der Schriftsteller Kikuchi Kan zeitgleich mit dem Naoki-Preis, der sich mit breiter Unterhaltungsliteratur befasst. Der Akutagawa-Preis, benannt nach dem Schriftsteller Ryūnosuke Akutagawa, wird zwei Mal jährlich verliehen. Er gilt er als Sprungbrett für literarische Karrieren und hat Namen wie Kenzaburō Ōe, Ryu Murakami oder Yoko Ogawa bekannt gemacht. Ist sich die Jury übrigens nicht einig, oder finden sie für das beguachtete Halbjahr keinen geeigneten Titel, entfällt die Vergabe des Preises.
Vom Naoki-Preis finden weitaus weniger Titel ihren Weg zur deutschen Übersetzung. Zwei der Gewinnertitel findet ihr in der verlinkten Rubrik.
Die Titel auf einen Blick
Frühere deutsche Ausgaben sind oft schwer zu finden, verstreut über verschiedene Verlage oder längst vergriffen. Bei anderen Autor:innen sind speziell die ausgezeichneten Titel auf Deutsch nicht erhältlich; gelegentlich hilft in solchen Fällen ein Blick ins Englische. Dabei lohnt sich die Suche. Die preisgekrönten Romane und Erzählungen bieten Einblicke in Japans moderne Literatur, von melancholischen Familienporträts bis zu surrealen Gesellschaftskritiken.
Dieser Beitrag sammelt in der Tabelle die auf Deutsch verfügbaren Akutagawa-Preisträger:innen, die ich auf Bleisatz vorstelle (Stand: Mai 2026) – mit Links zu den Buchvorstellungen und Rezensionen wird die Liste regelmäßig aktualisiert.
| 2023 | Rie Qudan – Tokyo Sympathy Tower / Tōkyō-to dōjōtō (東京都同情塔) |
| 2023 | Sao Ichikawa – Hunchback / Hunchback (ハンチバック) |
| 2022 | Junko Takase – Richtig gutes Essen / Oishii gohan ga taberaremasu yō ni (おいしいごはんが食べられますように) |
| 2020 | Rin Usami – Idol in Flammen / Oshi, moyu (推し, 燃ゆ) |
| 2019 | Natsuko Imamura – Die Frau im lila Rock / Murasaki no sukāto no onna (むらさきのスカートの女) |
| 2017 | Chisako Wakatake – Jeder geht für sich allein / Ora ora de hitori igu mo (おらおらでひとりいぐも) |
| 2016 | Sayaka Murata- Die Ladenhüterin / Konbini ningen (コンビニ人間) |
| 2015 | Yukiko Motoya – Die einsame Bodybuilderin / Irui kon’intan (異類婚姻譚) |
| 2013 | Hiroko Oyamada – Das Loch / Ana (穴) |
| 2007 | Mieko Kawakami – Brüste und Eier / Chichi to ran (乳と卵) |
| 2006 | Nanae Aoyama – Eigenwetter / Hitori biyori (ひとり日和) |
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Titelbild: National Library of Australia / unsplash
