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Anne Cuneo – Gedächtnislücken

Anne Cuneo – Gedächtnislücken

Anne Cuneo - Gedächtnislücken

Marie Machiavelli ist Anwältin und Expertin für Finanzfragen in Lausanne. Das eine oder andere Mal hat sie sich in der Vergangenheit bereits mit Kriminalfällen befasst. Für ihre gute Bekannte, die Designerin Aurora Jonain, ist es also naheliegend, Marie bei einem Problem um Hilfe zu bitten. Aurora ist in Davos und mit den Vorbereitungen für eine Modeschau beschäftigt. Doch die Polizei findet sie eines Abends im Hotel neben einem Toten, die Schusswaffe noch in der Hand und verwirrt. Das Schwierige an ihrer Lage: Sie hat „Gedächtnislücken“ und kann sich an nichts erinnern.

Für Marie beginnt eine komplizierte Recherche. Aurora kommt erst einmal ins Krankenhaus; die Designerin könnte unter Drogeneinfluss stehen. Derweil lässt Marie ihre Kontakte spielen. Sie kümmert sich um einen guten Anwalt, veranlasst medizinische Tests und fragt sich, wie sie ihrer Bekannten aus der Patsche helfen kann. Die Polizei wird aus mehreren Kantonen zugeschaltet und hätte es unter diesen Umständen gerne einfach. Eine Vokabel aber, die die gründliche Marie bei ihrer Arbeit nicht kennt.

Was der Lausanner Finanzprüferin an Möglichkeiten fehlt, macht ihr illuster Bekanntenkreis wett. Da gibt es zum Beispiel einen Anwalt, der nachts als Dragqueen auftritt. Er wird Auroras Verteidiger. Sein Showtalent bekam er mütterlicherseits von einer Schaustellerfamilie in die Wiege gelegt – und in diesem Familienzweig gibt es Verwandte, die Marie mit viel Geschick bei Ermittlungen zwischen Davos und Bern helfen können. Maries Freund wiederum hilft mit medizinischem Wissen und Hinweisen aus und zum Glück gibt es noch immer gute Freunde aus Maries Zeit in der Polizeischule.

Unangenehme Beziehungen

Anne Cuneos Namen entdeckte ich erst vor Kurzem unter den Schweizer Krimiautorinnen. Ich bekam „Gedächtnislücken“ in die Finger, ohne sehr viel mehr über die Autorin zu wissen. Eigentlich ein bisschen schade. Denn Cuneos Roman verknüpft den Mord an einem Schürzenjäger mit Beziehungsgeflechten, in denen sich Aurora Jonanin verheddert hat. Und nicht nur sie.

Cuneo verarbeitet einen realen Fall, den sie ohne eine Notiz in der Zeitung nie für möglich gehalten hätte. Der Kriminalfall, originell in Angriff genommen, bekommt gegen Ende eine neue Dimension – und gewährt einen Blick in unerwartete Abgründe. Anne Cuneo zitiert dazu den Regisseur Claude Chabrol mit den Worten, dass unsere Phantasie der Realität immer hinterherhinke. Für Anne Cuneo wird Marie Machiavelli diesen tragischen Fall aufarbeiten, der am Ende große Fragezeichen über Beziehungen und Objektivitä hinterlässt. „Gedächtnislücken“ ist spätes Fundglück und gute Backlist-Überraschung.

Bibliografische Angaben

Verlag: Bilgerverlag
ISBN: 978-3-03762-048-9
Originaltitel: Lacunes de la mémoire
Erstveröffentlichung: 2006
Deutsche Erstveröffentlichung: 2015
Übersetzung: Erich Liebi

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