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Schlafende Frau im Zug; Foto: Abbie Bernet / unsplash

Bettina gibt wieder auf …

Sytske van Koeveringe – Heute ist Montag

Deshalb habe ich mir das Buch besorgt: Weil Hauptperson Julia, die als Putzfrau und Haushaltshilfe in Amsterdam arbeitet, sich in einigen Wohnungen kurzerhand über Stunden einnistet. Sie nimmt ein Bad, liegt auf der Dachterrasse und daraus entwickle sich eine schöne Story. Heißt es jedenfalls.

Julia erzählt von ihren Jobs, die über eine Vermittlungsagentur zustande kommen. Darüber, was sie in den Wohnungen jeweils zu tun oder zu lassen hat und wie sie ihre Auftraggeber einschätzt. Manche reden ihr zu viel, andere lassen sie allein im Haus und wieder andere tauchen unvorhergesehen auf. Julia ordnet ihre Erzählung nach den Häusern, in denen sie arbeitet. Auf Kapitel 32 folgen 420 und 8. Nicht erschrecken, das sind offenbar die Hausnummern. Dazwischen kommen Abschnitte aus der WG, in der sie lebt.

Interessant sind tatsächlich die Auftraggeber. Seltsame Aufgaben bisweilen von Leuten, die angeblich gar nicht in Urlaub waren und Julia trotzdem haufenweise Dreckwäsche aus den Koffern holen lassen. Oder die ihr vorrechnen, wie oft sie frisches Wasser holen darf.

Julia selbst aber trägt für mich gar nicht. Sie mag keine Menschen, mag nicht reden und schweigt. Misanthrop bis auf die Knochen vermute ich, da das Buch jedenfalls keine Erklärung für ihr Verhalten abgibt. Sie kommt wahnsinnig unfreundlich rüber und desinteressiert an allem — da hilft auch meine übliche Durchhalteparole nicht.

Gekommen bin ich bis Seite 151 (von 319).

Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-71716-3
Originaltitel: Het is maandag vandaag
Erstveröffentlichung: 2017
Deutsche Erstveröffentlichung: 2020
Übersetzung: Andrea Kluitmann

Nell Zink – Der Mauerläufer

Die Autorin fiel mir auf, weil sie während des Solothurner Literaturfestivals 2019 begeistert besprochen worden war. Also griff ich mir irgendwann kurzerhand ein Werk in der Bibliothek, um Tiffany kennen zu lernen. Die Amerikanerin heiratet kurz entschlossen Stephen und zieht mit ihm nach Bern. Sie erleidet eine Fehlgeburt, nach dem der Hobbyornithologe wegen eines Vogels das Auto gegen eine Felswand setzt. Statt eines Kindes zieht ein Mauerläufer in die Wohnung ein.

Klingt nach einem solchen Ereignis zwar arg profan, das Buch aber übergeht das Ereignis selbst im Klappentext: “So einiges passiert nach einem kleinen Autounfall in den Bergen. Tiffany ist nicht mehr schwanger. Stephen fängt einen Mauerläufer.” Tiffany erzählt im Buch tatsächlich kaum etwas darüber, Stephen geht völlig in der Pflege des Vogels auf. Beide gehen in der Folge öfters fremd, regen sich ein bisschen drüber auf, lassen es aber trotzdem nicht.

Tiffany macht die ganze Zeit nichts anderes als verheiratet zu sein und meint, das sei eine erfüllende Aufgabe. Dabei dämmert ihr möglicherweise, dass das nicht zutrifft, aber sie begreift es einfach nicht. Zink schreibt nicht wirklich langweilig darüber; sie kann sehr wohl Spitzen verteilen. Doch die Farblosigkeit dieser Beziehung und allem, was damit zusammen hängt, wollte mich schon auf Seite 40 oder so abbrechen lassen. Ich ließ mich von einer Buchbesprechung umstimmen, die eine Wandlung von Tiffany versprach. Das erklärt, dass ich für ein Abbruchbuch doch relativ weit gekommen war. Aber da ich vom Versprechen weiterhin keine Spur entdeckte, hielt ich die restlichen Seiten beim besten Willen nicht durch.

Gekommen bin ich bis Seite 132 (von 187)

Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-498-07654-2
Originaltitel: The Wallcreeper
Erstveröffentlichung: 2014
Deutsche Erstveröffentlichung: 2016
Übersetzung: Thomas Überhoff

Phil Hogan – Die seltsame Berufung des Mr. Heming

Phil Hogan - Die seltsame Berufung des Mr. Heming

Mr. Hogan ist ein engagierter Immobilienmakler — in jeder Hinsicht. Er liebt die Wohnungen und Häuser seiner Klienten so sehr, dass er sich immer wieder mit nachgemachten Schlüsseln Zugang verschafft und in den Privatgemächern schnüffelt. Das erinnert an Sytske von Koeveringe, die in diesem Special auch vertreten ist, oder? Die Geschichte von Hogan klang vielversprechender. Sie fängt mit fiesem Humor an, bei dem ein Hundehaufen eine tragende Rolle spielt. Und dann kommt auch noch die Episode mit Familie Cookson:

Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass an diesem Tag die Cooksons aus der Eastfield Lane von ihrem alljährlichen Frühjahrsurlaub auf den Seychellen zurückkehrten und eine sieben Tage alte Leiche vorfanden, die den Gesamteindruck ihres hübschen Gartens mit seinen Obstbäumen, gepflegten Rasenflächen und handgepflasterten Terrassen erheblich beeinträchtigte.

Andererseits befasst sich da Buch langatmig damit, wie Heming als Kind war, wie es ihm auf dem Internat erging und wie er als Lehrling bei einer Immobilienfirma einsteigt (die er später übernehmen wird). Wie ein Kollege gegen ihn intrigiert und Heming sich mit raffinierten und nicht nur astreinen eigenen Immobilienkäufen einen gewissen Wohlstand erarbeitet. Und natürlich wie Heming sich am intrigierenden Kollegen rächt. Alles aus der Ich-Perspektive heraus erzählt, sodass der gute Mr. Heming sich für doch reichlich selbst abfeiert, für ausgesprochen normal hält und mich an keinem Punkt wieder so sehr am Haken hatte wie zuvor. Ich habe mich bei all diesem Lobeshymnen sehr gelangweilt, statt eine Geschichte zu erleben, die mich fesselt oder zumindest bei der Stange hält.

Gekommen bin ich bis Seite 76 (von 365)

Verlag: Kein & Aber
ISBN: 978-3-0369-5704-3
Originaltitel: A Pleasure and a Calling
Erstveröffentlichung: 2014
Deutsche Erstveröffentlichung: 2014
Übersetzung: Alexander Wagner


P.S.: Bei diesem Büchern habe ich beim letzten Mal abgebrochen:
Colize, Bugadze und Merkel.


Foto: Abbie Bernet

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