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Keigo Higashino – Malice

Keigo Higashino - Malice

Kurz vor seinem Umzug nach Kanada wird der Bestsellerautor Kunihiko Hidaka ermordet in seinem Arbeitszimmer aufgefunden. Vor Ort trifft Detective Kyôichiro Kaga überrascht auf einen alten Bekannten aus den Tagen, als sie beide noch gemeinsam an derselben Schule als Lehrer gearbeitet hatten: Den Kinderbuchautoren Osamu Nonoguchi, der -ebenso wie Kaga- seiner Laufbahn eine neue Richtung gegeben hatte. Der eine ging zur Polizei, der andere machte sich als Autor selbständig. Nonoguchi hatte einen Termin mit Hidaka und wurde misstrauisch, als dieser zum verabredeten Zeitpunkt nicht im Haus anzutreffen war. Gemeinsam mit der eilig herbeigerufenen Ehefrau Hidakas machte Nonoguchi im Arbeitszimmer den traurigen Fund.

Kaga steht bei diesem Fall vor einem klassischen Locked Room Mystery und sowohl Ehefrau als auch Nonoguchi haben einwandfreie Alibis. Aber das alles wird schnell löchrig, denn bei den Zeugenaussagen, die er aufnimmt, gibt es Unstimmigkeiten. Kaga wird misstrauisch und weitet seine Ermittlungen aus. So wie es aussieht, waren Nonoguchi und Hidaka vielleicht doch nicht so gut befreundet wie der Zeuge selbst es behauptet. Und nicht nur Kaga kennt Nonoguchi von früher; auch Hidaka ging mit Nonoguchi mehrere Jahre lang auf dieselbe Schule. Von den beiden Autoren ist Hidaka allerdings weitaus erfolgreicher geworden als sein ehemaliger Schulkamerad und es sieht so aus, als würde Nonoguchi ihm den Erfolg neiden.

Auf der Suche nach einem klaren Motiv

Wie auch schon in „Verdächtige Geliebte“ weiß man bei diesem Roman ziemlich schnell, wer der Täter war. Denn um die eigentliche Tätersuche geht es in beiden Fällen nicht. Während im erstgenannten Buch das „Wie“ eine zentrale Rolle spielt, dreht sich hier alles um das „Warum“. Ohne ein vernünftiges Motiv kann Kaga eine Anklage vergessen. Allerdings ist dem Täter so leicht nicht beizukommen. Wohl gibt es klare Fehler in Alibi und Zeugenaussage, die einen Verdacht bestens untermauern. Aber vor Gericht käme man nicht weit damit.

Mit Rückendeckung durch seinen Vorgesetzten gräbt Kaga tiefer in der Vergangenheit. Es entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel mit Nonoguchi und Kaga versucht hartnäckig herauszufinden, wo sich die Beziehungen zwischen Opfer und Täter derart verschlechtert haben, dass es überhaupt zu diesem Mord kommen konnte. Aus diesem Spiel muss Kaga als Sieger hervorgehen, sonst würde der Mord als ungeklärt in den Akten verschwinden.

Erstklassiger Spannungsaufbau

In „Malice“ muss man über weite Strecken alleine rätseln. Higashino verrät beileibe nicht alles, was Kaga vermutet oder ermittelt. Oft erfährt man es erst im Augenblick eines Verhörs und im schlechtesten Fall noch viel später. Die Strategie geht auf: Die Seiten lassen einen nicht los, man liest und liest und liest, um möglichst bald eine Passage zu finden, die Licht ins Dunkel bringt. Immer wieder stößt man an seine Grenzen, denn Higashino versteht es, Hoffnungen und Ideen zu wecken, die sich kurz darauf als grundfalsch erweisen. Und das nicht nur einmal.

Die Serie um Kyôichiro Kaga begann Higashino bereits Mitte der 1980er Jahre und bis heute (Stand Dezember 2014) neun Bücher dazu geschrieben. Von der Kaga-Serie ist meinen Recherchen zufolge bisher allerdings nichts in Deutsche übertragen worden. „Malice“ wurde erst in diesem Jahr von Minotaur Books ins Englische übersetzt und ist bis dato offensichtlich das einzige englische Werk aus dieser Reihe. Wer Keigo Higashino als sehr guten Autoren entdeckt, stößt leider schnell auf das Problem des fehlenden Nachschubs. Parallel zum Lesebefehl geht hiermit ein Übersetzungsbefehl raus: Von Higashino muss mehr her!


Update, 17.12.2014: In der Frühjahrsvorschau vom Klett Cotta Verlag wird just dieser Roman für das Programm 2015 in deutscher Übersetzung angekündigt, unter dem Titel „Böse Absichten“. Der Rückmeldung des Verlags zufolge wird es künftig auch mehr Werke aus der Kaga-Serie auf Deutsch geben und damit können sich deutsche Higashino-Fans schon viel mehr Nachschub versprechen.

Bibliografische Angaben

Verlag: Minotaur Books
ISBN: 978-1-25003-560-8
Originaltitel: Akui, 悪意
Erstveröffentlichung: 1996
Englische Erstveröffentlichung: 2014
Übersetzung: Alexander O. Smith

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