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Emma Jane Unsworth – Adults

Emma Jane Unsworth - Adults

Dass Jenny an iherm Leben gerade verzweifelt, verwundert nicht sehr: Ihr Freund Art hat sie verlassen und wie sie feststellen muss, ausgerechnet für eine Influencerin, die sie selbst geradezu anhimmelt. Möglicherweise platzt obendrein ihr Job: Die Kolumnen haben nicht mehr genug Biss, scheint es. Ihr Alter: Anfang 30, und damit eine Zeit, wo sich gefühlt Weichen stellen oder stellen sollen, weil das mit 30 eben so ist. Sagen jedenfalls alle. Bei Jenny sorgt das alles für große Verunsicherung. So sehr, dass ihre Mutter bei ihr einzieht, um der Tochter ein wenig Hilfestellung zu leisten. Leider ist das ein Schachzug, der bei Jenny gar nicht gut ankommt, denn Jenny hält ihre Mutter mit deren Marotten für Hellseherei und Ähnliches für völlig abgedreht.

Über diesem Buch saß ich eine Weile – während des Lesens schon, während den Überlegungen dazu sicher noch einmal so lange.

Stilistisch mochte ich es sehr, denn Unsworth fängt den Lifestyle, die Unruhe und Jennys Unsicherheit genau darüber ein: Sie schreibt kurze Kapitel, gerne auch mal nur eine Aufzählung aus drei Punkten lang. Im Buch finden sich neben “normaler” Romanhandlung Jennys Chatprotokolle ebenso wie fiktive Kolumnenentwürfe oder Testformulierungen für Instagram-Posts.

Diese Jenny …

Emma Jane Unsworth zeichnet mit Jenny eine Frau, die von den privaten und beruflichen Ängsten sehr verunsichert wird. Auf eine Art, die mir allerdings zu schaffen gemacht hat. Ich war mir nie sicher, ob Unsworth dem Buch zuliebe nicht völlig überdreht. Es gibt praktisch keinen Lebensbereich mehr, in dem Jenny nicht an die Hand genommen werden möchte wie ein kleines Kind. Instagram-Posts soll die Freundin bitte kurz gegenlesen, sogar Liebesbotschaften checken, damit bloß nichts falsch ankommt und selbst Kaffee bestellen bekommt sie kaum noch auf die Reihe.

Letztlich begleitete ich mit Jenny keine (Hilfe)Suchende (wie das bei Jasmin Schreiber oder Helene Bockhorst der Fall war), sondern mehr die schrille Figur einer fix abgedrehten täglichen Vorabendserie, deren Episoden auch dann funktionieren müssen, wenn man sie sich eben schnell beim täglichen Pendeln auf den Handy reinzieht. Jenny wirkt von heute auf morgen schlichtweg sehr unreif.

Grenzen ziehen lernen

Dennoch: Unsworth schreibt über ein ganz greifbares Problem. Jenny biegt in ihrer Unsicherheit falsch ab und sucht Halt in Social Media. Selbstwert über Likes. So arg, dass sie dabei ihre beste Freundin Kelly fast verliert, weil deren “Like”, deren Sorgen und Bedürfnisse unter dem selbst auferlegten Druck, online cool sein zu müssen, plattgewalzt werden. Jenny wird zu einer “unechten Selbstdarstellerin”, wie Kelly feststellen muss.

Wie Jenny die Kurve kriegt, kann ich schon nicht mehr nachvollziehen. Plötzlich geht’s wieder. Sie ist in der Lage, ihren Ex-Freund Art auf Distanz zu halten, der sich als doch ziemlich dämlich entpuppt. Die Influencerin verliert leise ihren Einfluss und da ist wieder die Jenny von früher: Eine, die anpackt und recht unerschrocken ihren Weg gehen wird. Womit die Vorabendserie unter einer Discokugel zu Ende geht.

Bibliografische Angaben

Verlag: Eichborn
ISBN: 978-3-8479-0069-6
Originaltitel: Adults
Erstveröffentlichung: 2020
Deutsche Erstveröffentlichung: 2021
Übersetzung: Viola Krauß

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