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Mick Herron – Spook Street

Mick Herron - Spook Street

River Cartwright arbeitet beruflich gesehen nicht gerade unter dem Kronleuchter. Zwar ist er beim britischen Geheimdienst, aber leider früh abserviert worden. Reingelegt von einem Kollegen. Unbarmherzig, wie die Regeln sind, landet man in so einem Fall in der Arbeitsgruppe von Jackson Lamb. In einem schlecht ausgestatteten Nebengebäude, zugedeckt mit meist zermürbender Kleinarbeit, werden jene MI5-Mitarbeiter abgestellt, denen im Job ein Fauxpas unterlaufen ist. Im Lauf der Zeit merkt man, dass die Mitarbeiter in ‚Slough House“ nicht wirklich Nieten sind. Sie hatten oft genug einfach Pech. Im vierten Band der Serie, eben Spook Street, taucht Mick Herron ein in die Vergangenheit der Familie Cartwright.

Rivers Großvater David ist eine echte MI5-Legende, zeigt im Alter nun aber Anzeichen von Demenz. Er steht unter anderem schon mal in der Schlafanzughose im Dorfladen. Trotzdem weiß der alte Mann Eines: Jemand will ihm an den Kragen. Seine trainierten Instinkte funktionieren noch gut genug. Der Mann in seinem Haus, der behauptet, sein Enkel River zu sein, lügt. David lockt den Eindringling in eine Falle und erschießt ihn. David taucht unter und River versucht, die Spuren des Mannes zurückzuverfolgen. Ohne irgendjemandem Bescheid zu geben natürlich.

Zeitgleich geschieht ein Bombenanschlag in einem Einkaufszentrum, der viele jugendliche Opfer kostet. Während der MI5 sich mit dem Attentäter befasst und die Slow Horses River suchen, findet der Geheimdienst eine mögliche Verbindung zwischen den beiden Fällen.

Der Dreck unterm Teppich

Familie Cartwright birgt in diesem Roman echte Überraschungen. Es dürfte in vielen Familien so sein, dass man von der Großelterngeneration nicht alles weiß und nicht alles erzählt wird. Bei einem ehemaligen Topagenten sind die Erzählungen „aus der guten alten Zeit“ vielleicht sogar noch eine Spur ausgewählter. Für River gerät das Abtauchen in die Vergangenheit seines Großvaters sehr intensiv, denn der stets mit exzellenten Tipps aufwartende Opa hat in seiner Karriere natürlich nicht nur fusselfreie Arbeit abgeliefert. Ein Aspekt, der mich fasziniert: Herron baut in Spook Street nicht einmal beim Sympathieträger der Serie eine faltenlose Hintergrundgeschichte. Dabei fühlt sich die Struktur der Geschichte trotzdem nie übertrieben an.

Bis 2016 habe ich mich noch verpflichtet gefühlt, beim Schreiben auf Plausibilität zu achten, aber inzwischen habe ich es aufgegeben. Nichts, was ich erfinden könnte, würde mit den realen Absurditäten mithalten, von denen dieses Land in den letzten Jahren dank seiner Regierung heimgesucht wurde.

Mick Herron in einem Interview über seine Bücher

Eben das. Man kauft Herron ab, dass es hinter den Kulissen der Geheimdienste so ablaufen könnte, weil man nun schon genug gehört hat von Intrigen und politischen Winkelzügen, die nur dem Intriganten perönlich, aber niemals einem größeren Ganzen zugute kommen. Wie den Menschen zum Beispiel, denen gegenüber die Politiker eigentlich verantwortlich sind. Bewahre!

Bei Herron stimmt obendrein einfach das Timing. Tempo und Spannung lassen über all die Seiten und all die bisherigen Bände sicher nicht nach und das ist — abgesehen von seinem herrlich bissigen Humor — ganz sicher ein großer Pluspunkt. Eines noch: Wer in diese Serie einsteigen möchte, sollte meiner Meinung nach mit Slow Horses beginnen. Ich habe den Eindruck, dass die Lektüre auf Grund einiger Anspielungen und Plotdetails dann einfach mehr bringt. Der WDR war da übrigens anderer Ansicht, von daher fasse ich allgemeiner zusammen: Lest Mick Herron einfach!

Bibliografische Angaben

Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-30084-0
Originaltitel: Spook Street
Erstveröffentlichung: 2017
Deutsche Erstveröffentlichung: 2021
Übersetzung: Stefanie Schäfer


Jetzt setzen wir noch ein Spielchen fort, das wir bei Real Tigers begonnen haben, nehmen alle Romane aus dem Regal, legen sie nebeneinander auf den Tisch und schauen, was uns auffällt:

Bei den echten Büchern ist der Anschluss übrigens astrein (nur bei den hiesigen Abbildungen nicht). Ich bin gespannt, wie die Linien (einer fiktiven U-Bahn, wie ich finde) auf dem nächsten Cover weitergeführt werden und schätze so eine nachhaltig angelegte Coveridee wirklich sehr!

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