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Mick Herron – London Rules

England bekommt es mit einem merkwürdigen Aufeinandertreffen von Anschlägen zu tun. Erst wird ein mickriger Weiler in Derbyshire angegriffen. Ein paar Männer steigen aus einem Jeep, erschießen wahllos mehrere Menschen und entkommen. Kurz darauf wird ein Pinguingehege im Zoo gesprengt. Beim Geheimdienst herrscht nun sowohl Hektik als auch Ratlosigkeit. Der MI5 bzw. dessen Chef steht in der Öffentlichkeit gerade nicht so gut da, also müssen Ergebnisse her. Aber so einer seltsamen Art von Terror ist man andererseits noch nie begegnet und hat streng genommen wenig Ahnung, was sich ermitteln ließe.

Derweil langweilen sich die MI5-Mitarbeiter vom Außenposten in der Aldersgate Street routiniert vor sich hin. Sie wurden wegen unterschiedlicher Pannen und Fehlern aus dem aktiven Dienst aussortiert, zu „Slow Horses“ degradiert, und verbringen ihre Zeit jetzt viel mit dem Abgleich endloser Datensätze oder dem Ertragen der Launen ihres Chefs, Jackson Lamb.

Das ändert sich, als auf ihren Kollegen Roderick Ho ein Anschlag verübt wird. Seltsam, dass ausgerechnet ein ausgemusterter Mitarbeiter des Geheimdienstes interessant genug für so etwas ist. Allerdings dürfte sich genau deshalb niemand aus dem Hauptsitz des MI5 im Regent’s Park für den Fall interessieren. Und genau deshalb nehmen sich ein paar Kollegen lieber der Sache selbst an und beschatten Ho. Regent’s Park wird umso aufmerksamer, als Ho ein zweites Mal Ziel eines Anschlags wird und das Beschattungsteam der Slow Horses eher hilflos daneben steht.

„Wir reden hier über einen Haufen hirnloser Arschlöcher, deren allgemeine Ignoranz gegenüber unserer Lebensweise nur durch ihre Gleichgültigkeit gegenüber menschlichem Leid übertroffen wird, sind wir uns da einig?“
„Meinen Sie die Politiker oder die Mörder?“
„Gute Frage.“

Was unter den Teppich gekehrt wird …

Mick Herron vereint in „London Rules“ wieder brillant das, weswegen die Serie ihren einzigartigen Charakter hat: Spitzzüngigkeit, Behördenschelte, Spannung und Witz. Zwar machen Lambs Mitarbeiter nicht immer die beste Figur, aber dass die Crew aus dem Hauptquartier tatsächlich durch die Bank weg besser ist, mag man nach Herrons Seitenhieben und seiner Analyse der Arbeitsweise auch nicht so recht glauben. Wie es schon in vorigen Bänden passiert ist, ist der MI5 eigentlich selbst schuld am Dilemma in „London Rules“. Irgendwann kapieren das die Verantwortlichen und was vertuscht werden kann, wird vertuscht. Und hoffentlich kommt es nicht irgendwann im Archiv wieder zutage.

Gegenwärtig war sein Status jedoch dem zahlloser anderer Projekte des öffentlichen Dienstes nicht unähnlich, insofern, dass seine Existenz beschlossen und der Prozess zu seiner Enstehung in Gang gesetzt worden war, und so würde es bis zu seiner offiziellen Einstellung weiterwachsen, obwohl es bei allen, die an seiner Konzeption beteiligt gewesen waren, längst in Vergessenheit geraten war.

… wird von Jackson Lambs Truppe gefunden

Zugegeben, die Slow Horses sind nicht immer auf der Höhe der Zeit. Der Klappentext trifft den Nagel auf den Kopf: „[Sie] machen aus einer schwierigen Situation – das Schlimmste.“ Denn in „London Rules“, so könnte man gehässig zusammenfassen, spielt Gurkentruppe gegen Gurkentruppe. Aber sie haben gelegentlich den richtigeren Riecher als Regent’s Park, sodass sie nicht nur bald raushaben, wie Derbyshire und Pinguine zusammenhängen. Eine von ihnen hat auch die besseren Instinkte, wo das Finale der Anschlagsserie zu finden sein würde.

Und sie können letztlich alle froh drum sein, Jackson Lamb als Chef zu haben, jedenfalls im ideellen Sinn. Der unfreundliche, boshafte und furzende Mann lässt sich wohl kaum als gute Führungskraft kategorisieren. Aber er kennt die Machtspielchen des MI5 aus dem Effeff, ahnt Taktiken im Schlaf voraus und kennt die Aktenreste unter dem Teppich gut genug, um seine Truppe regelmäßig aus dem Schneider zu holen. Und die wichtigste der „London Rules“ beherzigt er ganz offensichtlich schon aus ureigenstem Interesse: „Rette deinen Arsch“. Nach fünf Bänden verrät Mick Herron allerdings noch immer nicht, warum das beim „Slow Horse“ Lamb so wichtig ist.

Bibliografische Angaben

Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-30093-2
Originaltitel: London Rules
Erstveröffentlichung: 2018
Deutsche Erstveröffentlichung: 2022
Übersetzung: Stefanie Schäfer

Slough House – Die Serie

Natürlich spielen wir wieder unser Cover-Spielchen und prüfen, wie sich die Bahnlinien fortsetzen …

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