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Header zu den Lesetipps auf thurgaukultur. Foto: Volkan Olmez / unsplash

Was außerdem zu empfehlen ist

Ein Teil meiner Arbeit mit Kultur und Literatur findet nicht auf Bleisatz statt, sondern auf Thurgaukultur. Für dieses Onlinemagazin schreibe ich seit zwei Jahren und bin dankbar für die große Vielfalt an Themen, die ich dort bearbeiten darf. Im vergangenen Jahr waren ein paar Überraschungen und Besonderheiten dabei, die ich euch gerne zusätzlich als Lesetipp geben möchte. Mit dabei ein großartiges Debüt, ein Buch, das Geräusche macht, eine besondere Lesung sowie einem Interview.

Ein begeisternder Debütroman

Im letzten Jahr lancierte die Kulturvermittlerin Judith Zwick die Serie Debüts für die Region Kreuzlingen/Konstanz. In diesem Jahr fand die Fortsetzung umständehalber online statt und verteilte sich auf Streams und Artikel.

Lukas Maisel taucht mit seinem Debüt Buch der geträumten Inseln auf. Für die Serie habe ich bewusst Buchvorstellung mit Autorengespräch gemischt, damit nicht nur das Buch seinen Platz findet. Gerade bei einer Serie über Debüts sollten die Eindrücke des Autoren über so einen literarischen Start Teil des Beitrags sein.

“Buch der geträumten Inseln” empfehle ich, weil mich die Experimentierfreude beeindruckt, mit der Maisel seinen Abenteuerroman geschrieben hat. Die Geschichte mischt Erkundung auf unbekanntem Terrain mit sehr kritischen Überlegungen darüber, wie der Mensch mit seiner Umwelt umgeht.

Ein Buch voller Sounds

Anfang des Jahres stellte ich ein sehr ungewöhnliches Buchprojekt vor. Es kommt von Rahel Kraft und die ist beruflich als Klangkünstlerin unterwegs. Sie arbeitet also mit Akustik, Sounds und räumlicher Atmopshäre, die sie klanglich einfängt. Und nun sollte sie ein Buch gestalten? Wie passt das zusammen? Herausgekommen ist „Paradoxical Creatures – Bodies, Paper, Words“. Dafür entwickelte die Künstlerin Wege und Möglichkeiten, wie sich Klangkunst in Papier übersetzen lässt.

Die Arbeit mit einem völlig fachfremden Medium ist ihr aber gelungen. Unterstützt wurde sie von den Grafikern, die ihr Projekt umsetzen sollten. Auf der einen Seite die Klangexpertin, die plötzlich auf sämtliche Geräusche achtete, die Bücher machen können. Auf der anderen die Papierexperten, die zum Beispiel zahllose Papiermuster zur Verfügung stellen konnten.

Kraft füllte 482 Seiten mit ihren Ideen zu akustischen Phänomenen mit Büchern und Papier, das zugleich als Skript für eine Performance funktioniert. Wir machten extra ein Zoom-Gespräch, damit Kraft mir eine Reihe der Effekte vorführen konnte und so vermittelte sie mir eine richtig gute Ausgangslage für den Beitrag.

Philosophieren über die Fähigkeiten von Literatur

Julia Langkau hatte ihren Debütroman noch in Arbeit, als ich mit ihr über diesen Titel sprach (inzwischen hat er den Titel Flussgeboren und sie ist, wie es aussieht, erfolgreich mit Verlagen im Gespräch). Aus dem Interview im Mai wurde dann auch ein Gespräch darüber, was Literatur zu leisten vermag. Julia Langkau ist Philosophin, die sich unter anderem genau mit dieser Fragestellung befasst.

Das ist grundsätzlich eine philosophische Frage: Kann ich mir eine Erfahrung vorstellen, wenn ich sie selbst nicht gemacht habe? Bei Erfahrungen, die wir zumindest annähernd auch selbst schon gemacht haben, ist das sicher möglich. Aber viele PhilosophInnen und auch ich gehen davon aus, dass es bei ganz neuen Erfahrungen nicht geht. … Wir erfahren hingegen, was es bedeutet oder bedeuten kann. Wir lernen über die Tragweite dieser Erfahrung im Leben eines Menschen. Dabei spielen die Sprache, die Wahl der Bilder, Fokussierungen oder Auslassungen im Text eine wichtige Rolle.

Das Interview war ziemlich lang und am Ende wollte ich ganz viele Stellen wirklich nicht kürzen. Denn in ihren Antworten auf meine Fragen steckten so viele interessante Aspekte, dass es schade gewesen wäre, hätte ich das Interview auf ein paar tausend Zeichen eindampfen müssen. Zum Glück sah die Redaktion das genauso.

Literatur mit Wein und Käseplatte

Was ich euch ans Herz legen möchte, ist zudem die Literaturvermittlung für Hungrige. Na gut, das ist vielleicht etwas zu salopp, aber tatsächlich extrem lohnenswert. Im Literaturhaus Thurgau heißt das Konzept “Literatur am Tisch” und startete in diesem Jahr mit Jens Steiner. “Ameisen unterm Brennglas” heißt sein aktueller Titel und für die Teilnahme am Event musste man das Buch zuvor einfach gelesen haben. Denn man saß mit Steiner im Kaminzimmer beisammen, mit der eben erwähnten Käseplatte auf dem Tisch, und fing an, sich locker mit ihm über das Buch auszutauschen.

Ganz anders als bei einer klassischen Lesung saß der Autor dieses Mal nicht getrennt vom Publikum, nicht auf einem üblichen Podest und wird vom Moderator alleine befragt. Nicht selten gibt es dabbei später kaum Fragen in der Fragerunde. Bei diesem offenen Format kam allerdings eine sehr lebendige Runde zustande. Keine Scheu, keine Schranken. Jeder beteiligte sich im Lauf der Zeit und Steiner gab sehr persönlich Auskunft. Zumal eigene Leseeindrücke bei so einer Veranstaltung viel besser in den Rahmen passen als sonst. Solltet ihr bei euch in der Region einmal die Möglichkeit zu so einem Format zu haben, probiert es unbedingt aus.


Fotos: Rowohlt Verlag (Maisel), Bettina Schnerr (Steiner und Langkau), Klaus Pichler (Kraft)

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