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Frank Berzbach – Die Kunst zu Lesen

Frank Berzbach - Die Kunst zu lesen. Ein Literaturverführer

Sind Bücher einfach ein Zeitvertreib? Ein klares Nein kommt von Frank Berzbach und für dieses Nein nimmt er sich sehr viel Zeit. Wie könnte es anders sein: in einem Buch. Literatur, das sind für ihn Geschichten, die uns prägen, unsere Sicht schärfen und ihn erst richtig wach machen. Seine Botschaft heißt „Die Kunst zu lesen“ und ist ein „Literaturverführer“. Das steht nicht nur einfach so auf dem Cover; das Buch und seine Gestaltung nehmen die Verführung sehr ernst.

Berzbachs Buch über das Lesen nutzt die persönliche Lesebiografie als Basis. Er schreibt darüber, wie man Bücher auswählt und erzählt davon, wie unterschiedlich Hypes und Klassiker auf ihn wirken. So wie sich Jhumpa Lahiri Gedanken um Buchcover macht, befragt sich Berzbach über den Einfluss der Autorenfotos auf die Wahrnehmung von Büchern. Er schaut auf die Korrespondenzen zwischen Autor:innen, von denen einige mittlerweise selbst Eingang als Literatur in die Literatur gefunden haben.

Und warum habe ich das Buch? Weil Frank Berzbach ein Kapitel den literarischen Reisen nach Japan gewidmet hat und er findet: „In japanischen Romanen ist vieles anders.“ Ich erkenne mich in Berzbachs Buch öfter wieder, aber hier möglicherweise am häufigsten. Interpretatorische Offenheit in Der Dieb, Ästhetik in den Kieferninseln, viel Essen – und vielen Autor:innen gelingen Tiefe und Intensität auf vergleichsweise wenigen Seiten. Es ist just in diesem Kapitel das passiert, was auch Berzbach geschieht: Eine Erwähnung führt zum nächsten Buchwunsch … und gelernt habe ich auch etwas: Ein echtes Vorbild für Herrn Yamashiro gab es tatsächlich.

Wir leben in einer unendlichen Bibliothek. In der steht für jeden Menschen und jeden Anlass das richtige Buch.

Lesen verbindet – immer und immer wieder

Andere Kapitel widmen sich der Literatur über das Meer, das Laufen oder den Bücherkisten am Straßenrand, wo Berzbach manchmal „ganze Leseleben“ entdecken kann; es geht um dicke Bücher und Cafés. Jedes Kapitel ist jeweils anderen Büchermenschen gewidmet — die muss man freilich nicht kennen, zeigen die Widmungen doch viel eher, wie das Lesen im Lauf einer Lesebiografie mit anderen vernetzt und wie für Frank Berzbach diese Personen mit bestimmten Literaturen und Erfahrungen verknüpft sind.

Das Persönliche, das sich durch den Literaturverführer zieht, lädt zu einem gedanklichen Austausch ein. In einigen Aspekten erkenne ich mich wieder, nicht nur beim Japan-Kapitel. Eine Zeitlang war bei mir zum Beispiel ebenfalls eine gewisse Skepsis gegenüber geschenkten Büchern ziemlich ausgeprägt; das hat sich glücklicherweise gelegt. Ich schaue überall in die Bücherregale und suche Verbindendes. Es gibt, bei so viel Persönlichem, aber natürlich auch Punkte, die ich völlig anders empfinde. Das Lesen in fast schon religiöse Nähe zu rücken, kann ich gar nicht nachvollziehen und finde das sogar eher irritierend. Das passt aber wohl gut zu Berzbach selbst, der sich im Buch auch mit dem eigenen Glauben auseinandersetzt und in mancherlei Hinsicht Parallelen zieht.

Zur Liebeserklärung an die Literatur gehört übrigens eine tolle grafische und bibliophile Ausstattung, und zwar der modernen Art (was mir durchaus entgegen kommt). Das Buch steckt voller Illustrationen von Ada Romanova, deren intensives Kobaltblau sich überall als Motiv wiederholt. Auch im Umschlag freilich, eine kobaltblau bedruckte, durchsichtige Folie, die ihr Geheimnis beim Blättern preisgibt: Nur die „Schwärzungen“ ergeben den Buchtitel „Die Kunst zu lesen“. Blättert man sie weg, … ach, schaut selbst …

Bibliografische Angaben

Verlag: Eichborn
ISBN: 978-3-446-26926-2
Deutsche Erstveröffentlichung: 2021

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