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Seraina Kobler – Tiefes, dunkles Blau

Die Seepolizei Zürich bekommt einen unschönen Fund gemeldet: Im Netz eines Fischers hat sich eine Leiche verfangen. Seepolizistin Rosa Zambrano erkennt den Mann schnell. Es ist der Arzt Dr. Jansen, vom dem sie erst vor Kurzem ihre Eizellen für die Familienplanung einfrieren ließ. Den Fall übernimmt plangemäß die Kriminalpolizei und Zambrano arbeitet als Verbindungsperson zwischen den beiden Abteilungen weiter. Damit verbunden mischt sich der Fall plötzlich mehrfach in ihr Privatleben ein. Denn Rosa Zambrano wird ausgerechnet Martin Weiß zugeteilt. Wären die beiden bisher nicht jeweils liiert gewesen, hätte es vermutlich längst gefunkt – just jetzt leben beide als Single.

Jansen wäre nicht der erste Tote, der im Zürichsee (oder einfach Zürisee) durch einen Unfall ums Leben kommt. Doch der Rechtsmedizinier findet zügig Unstimmigkeiten und das spricht für Mord. Zambrano und Weiß schauen sich das Umfeld des Arztes genauer an und stoßen auf so einige Motive bei mehreren Frauen. Da gibt es die verlassene Ehefrau und eine laufende Scheidung, eine umtriebige Escort-Vermittlung, eine ehrgeizige Geschäftspartnerin und wahrscheinlich eine neue Freundin. Die beiden Polizisten stehen nun vor der Frage, ob der Mord mit privaten Motiven oder mit der Kinderwunschklinik zusammenhängt.

Manchmal glaubt man, dass man über gewisse Dinge im Leben nie hinwegkommen wird. Doch vielleicht ist genau das Gegenteil der Fall. Vielleicht ist die einzige Konstante in unserem Leben die, dass wir immer wieder aufbrechen müssen.

Die ganze Welt im Mikrokosmos

Seraina Kobler setzt in ihrem Krimi auf eine geschickte Mischung, um nicht nur einen „Zürich-Krimi“ zu erhalten, sondern auch einen, der gesellschaftliche und persönliche Ebenen anspricht. Ihre Rosa Zambrano wohnt mitten in der Altstadt in einem Haus mit Geschichte, gärtnert und kocht mit Begeisterung und ist dank ihres Jobs regelmäßig im Zentrum der Stadt unterwegs. Die Stimmung sitzt also wie angegossen, wenn sie über Plätze spricht oder Ereignisse, die tatsächlich so stattgefunden haben. Ich mag’s, denn auch die Art, wie Figuren über so etwas Lokales erzählen, zeigt mir ihr Denken und Fühlen.

Ihr privater Kinderwunsch, der sich nach einer Trennung nun erst einmal nicht erfüllt, verbindet Zambrano auf unerwartete Weise mit dem Fall. Hier knüpft Kobler an verschiedene gesellschaftliche Fragen an, die durch Jansens Praxis und seine Arbeit aufkommen. Vor allem der Umgang mit der Forschung zur Familienplanung oder Krankheitsbekämpfung erhält großen Raum. CRISPR wird zum Thema, eine DNA-Manipulation, in der große Hoffnungen liegen, die aber auch mit Nebenwirkungen einher geht, die teils nicht offengelegt werden.

Menschen waren gut darin, Neues zu erfinden. Aber schlecht darin, die Folgen abzuschätzen.

„Tiefes, dunkles Blau“ macht mir defintiv Lust auf mehr. Mehr Zürich, mehr Krimi. In einem Roman, in dem das Lokale über eine tief verwurzelte Figur vermittelt wird und der gleichzeitig große Fragen aufwerfen kann. Und auch das mag ich: Die Seepolizei, denn damit dürften sich neue Perspektiven eröffnen. Der Krimi folgt mit seinem Ansatz einer gelungenen Krimitradition, die bei Diogenes unter anderem mit Donna Leon, Katrine Engberg, Martin Walker oder Magdalen Nabb gepflegt wird.

Wie Seraina Kobler in einem Interview gesagt hat, verbindet sie mit dem See und der Arbeit damit eine starke Naturverbundenheit und oft eine große Ruhe als Ausgleich zur geschäftigen Metropole. Da möchte ich doch gerne weiter erleben, was Rosa Zambrano aus ihrem Arbeitsplatz macht.

Bibliografische Angaben

Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-86428-1
Erstveröffentlichung: 2022

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