Seit mehreren Jahren durchforste ich zwei Mal im Jahr mit großem Vergnügen die Verlagsvorschauen. In unregelmäßigen Abständen stelle ich meine Fundstücke in einem Vorschau-Bilderbuch vor. Vor zwei Jahren hatte ich mich in einer Spezialausgabe damit befasst, wie breit japanische Literatur und mit Japan verknüpfte Titel im damaligen Herbstprogramm gestreut waren. Zeit für eine Neuauflage! Dies ist der erste Teil der Serie mit japanischen Romanen und Healing Novels aus dem Herbst 2026. Mit je 10 Titeln halten sich die beiden Sparten die Waage.
Teil 2 befasst sich morgen mit Krimi & Fantasy, Teil 3 am Mittwoch mit Sachbüchern & Kochbüchern. Bücher, die auf meinem persönlichen Wunschradar gelandet sind, sind mit einem ✻ markiert.
Vielfältige Romane
Neben einigen Neuerscheinungen zeigen sich in diesem Herbst auch interessante Neuauflagen japanischer Klassiker. Speziell diese folgen den ursprünglichen Übersetzungen aus den 1950er und 1960er Jahren und wurden nicht neu übersetzt.





Keiichiro Hirano – Ein letztes Mal Mensch ✻
Mit einem Science-Fiction-Schritt ins Jahr 2040 prüft Keiichiro Hirano die Entwicklung menschlicher Beziehungen und Erinnerungen, wenn Technologien wie Virtual Reality Erinnerungen übertünchen können und menschliche Nähe nicht mehr der wichtigste Teil des Lebens sein muss. (Suhrkamp)
Osamu Dazai – Die sinkende Sonne ✻
Ein Nachkriegsklassiker wird nach mehreren Jahrzehnten gleich zwei Mal neu aufgelegt. Dazai schildert die Neuorientierung zweier Geschwister aus aristokratischem Haus. Als Kazukos im Krieg verschollener Bruder zurückkehrt und die Familie durch seine Sucht in den Abgrund reißt, muss Kazuko eine Entscheidung treffen. Inspiriert von den Schriften Rosa Luxemburgs bricht sie mit allen Konventionen, um inmitten des gesellschaftlichen Verfalls ihr eigenes Glück zu finden. (Anaconda Verlag, Reclam)
Yasushi Inoue – Das Jagdgewehr ✻
Bei dieser Novelle sind seit der Veröffentlichung rund 60 Jahre vergangen. Die Neuauflage gehört zum 75-Jahr-Jubiläum der Bibliothek Suhrkamp. Ausgehend von einem Gedicht in einer Fachzeitung meldet sich ein Jäger beim Dichter und schickt diesem drei Briefe. Sie setzen die Geschichte seines Lebens zusammen. (Suhrkamp)
Christian Schnalke – Das Badehaus am Fuji
Auf dem Weg zu einem neuen Leben ist Kira. Erst vor Kurzem nach Japan gezogen, stellt sie fest, dass ihr Mann sie hintergeht. Ein Aufenthalt in einem Ryokan mit traumhaftem Blick auf den Fuji bringt sie mit Menschen zusammen, die ihr auf der Suche nach einer neuen Orientierung helfen — was sie will, wer sie ist und was sie kann. (Oktopus bei Kampa)





Hanns Zischler – Yumikos Paravent
Nach dem Tod ihrer Mutter Johanna reist Hanaka nach Kobe, um deren Modeatelier aufzulösen. In einer Leinenjacke findet sie ein Bündel Luftpostbriefe – abgeschickt von einem Berliner Maler. Hanaka begibt sich auf eine Spurensuche über diesen jahrelangen Brieffreund, der auch in ihre eigene Vergangenheit berührt. (Galiani)
Okamoto Kanoko – Mutter und Sohn ✻
Eine Erstausgabe ist dieser Roman einer Autorin, die als Mitbegründerin der weiblichen Moderne Japans beschrieben wird. Kanoko erzählt die Geschichte einer Mutter, deren Sohn ins Ausland zieht und beobachtet den emotionalen Ablöseprozess. (Manesse)
Muriel Barbery – Eine Rose allein
Rose hat mit ihren vierzig Jahren das Gefühl, noch gar nicht richtig gelebt zu haben. Dann reißt ein unerwarteter Anruf sie aus dem Alltag: Sie soll für die Testamentseröffnung ihres Vaters nach Kyoto fliegen. Als sie widerwillig zustimmt, ahnt sie nicht, wie sehr das fremde Land mit seinen Tempeln und Zen-Gärten sie aufwühlen wird. (Ullstein)
Tabea Bach – Winter im Kamelienhaus
Eine Familiensaga geht in die dritte Runde und vereint japanische Neujahrstraditionen auf der Insel Soshima mit bretonischen Weihnachten. Gerade beginnt die Ernte der Kamelienblüten, um aus ihnen roten Farbstoff für Sylvias Kosmetikfirma zu gewinnen. Und über Weihnachten wird in der Bretagne Lilys Hochzeit stattfinden. Alles ist geplant und vorbereitet, aber dann ist ein bisschen Improvisation nötig, um alles zum Guten zu wenden. (Lübbe)
Nao-Cola Yamazaki – Die Schönheit der Distanz ✻
Jeden Tag ist er im Krankenhaus an der Seite seiner krebskranken Frau, und erinnert sich an die prägenden Momente ihrer Beziehung. Während er die Liebe seines Lebens ein letztes Mal begleitet, macht er sich Gedanken über den Umgang mit Krankheit in der Gesellschaft. Yamazaki, die mir gerade erst als Empfehlung in „Die einsame Buchhändlerin von Tokio“ begegnet ist, erzählt bewegend von Fürsorge und Pflege, aber auch von Zusammenhalt in einer Welt, die sich zu schnell dreht. (Dumont)
Viele Healing Novels, einige Serien
An „heilsamen Geschichten“ führt derzeit absolut kein Weg vorbei. Die Cover dieses Subgenres fallen schnell auf und so kann der Blick wahlweise schnell weiterwandern oder hängenbleiben. Ganz nach Gusto. Im Herbstprogramm 2026 tummeln sich diese Bücher:





Ren Mizuniwa – Die Gespräche der Katzen bei Nacht ✻
Vier Katzenschwestern leben nach der Rettung aus einem Messie-Haushalt bei getrennten Besitzern. Doch ein unsichtbares Band verbindet sie. Ud das hilft ihnen, als sich die Menschen in ihrem Leben Probleme schaffen, und die Katzen für sie gemeinsam aufräumen müssen. (Thiele)
Michiko Aoyama – Der Mond über dem Bambuswald
Bei Podcsater Taketori dreht sich in seinen 10-Minuten-Sendungen alles um den Mond. Ihm hören Krankenschwestern, Studentinnen oder Mechaniker zu, die Rat und Inspiration suchen. Am besten findet man diese zu Neumond. (Rowohlt Kindler)
Yoko Mure – Akikos kleines Café
Die leitende Lektorin Akiko kündigt sie ihren Job, zieht zurück in ihre Heimatstadt und übernimmt die beliebte Kneipe ihrer verstorbenen Mutter. Mitsamt einem Kater, einer gütigen Küchenhilfe, den Nachbarn und einfachen, aber köstlichen Speisen, fängt Akiko nicht nur ganz neu an. Sie versöhnt sich mit ihrer Lebensgeschichte und schmerzhaften Erinnerungen. (Kiepenheuer & Witsch)
Saki Murayama – Der kleine Laden der großen Wünsche
Mit diesem Laden kommt eine Longseller-Serie aus Japan über einen Laden, den nur finden kann, werde gerade etwas sucht oder etwas Bedeutendes vermisst. Der Laden in der Mondlichtgasse lässt grüßen. Fünf Menschen erfüllt ein Mann mit silbernem Haar Wünsche oder löst ihre Sinnkrisen. (Lübbe)
Sanaka Hiiragi – In der Bibliothek der magischen Katze
Hiiragis Buch setzt auf die „heilende Kraft des Erzählens“ (statt wie zuvor die von Post oder Fotografien). Das wird dringend notwendig, als eine junge Frau von ihrem Freund und der besten Freudin zugleich verraten wird. In einer Bibliothek mit einer schwarzen Katze ist der richtige Platz dafür. (Hoffmann und Campe)





Ito Ogawa – Hatokos magischer Wunschzettel
Das Sternenfest Tanabata in Kamakura steht im Mittelpunkt des Romans: An Bambuszweigen hängen handgeschriebene Zettel mit Herzenswünschen. Die Kalligrafin Hatoko verfasst die Zettel kunstvoll und jeder dieser Wünsche geht auf besondere Weise in Erfüllung. Auch Hatoko hat einen sehnlichen Wunsch. Wird sie den Mut finden, ihn wahr werden zu lassen? (Droemer)
Yukihisa Yamamoto – Tokyo Flower Shop. Der kleine Blumenladen der Zuversicht
Die Studentin Midori steckt in einer tiefen Sinnkrise, und ihre Arbeit im Blumenladen ist zunächst nur ein Nebenjob. Zwischen dem Duft von Pfingstrosen und Orchideen entwickelt sie ein Gespür dafür, die Gefühle und Schicksale der Kunden in Blumenarrangements zu übersetzen, und entdeckt dabei ihren eigenen Weg.(Fischer)
Sawako Natori – Blätterrascheln in der Freitagsbuchhandlung
Der Herbst führt im dritte Band erneut ungewöhnliche Besucher in den Laden. Am Ende findet die Kundschaft nicht nur die Bücher, die sie braucht. Das Versprechen: In der Freitagsbuchhandlung wird jedes Buch zum Zugticket in ein neues Leben – und jede Begegnung zur Chance auf einen Neuanfang. (Piper)
Sawako Natori – Schnee vor der Freitagsbuchhandlung
Der Winter bringt eine so ungewöhnliche Kälte mit sich, dass die vertrauten Abläufe ins Wanken geraten. Alte Konflikte und wiedergefundene Familienbande erschüttern die Harmonie des Buchladens. Doch zwischen Regalen, Geschichten und Freundschaften zeigt sich: Manchmal führt ein Umweg genau dorthin, wo es hingehen soll. (Piper)
Takuya Asakura – Eine Katze für jeden Buchladen
Amane Morikawa erbt die Buchhandlung, die ihr Großvater in der kleinen Stadt Onomichi betrieben hat. Als sie ankommt, stellt sie fest, dass mehrere Straßenkatzen die verlassene Buchhandlung zu ihrem Zuhause gemacht haben. Nach der Wiedereröffnung lässt sie die Katzen bleiben und beobachtet, dass die Tiere ihre Kundschaft Trost spenden, wenn ihn jemand braucht. Ob sie selbst auch den Kummer um den Verlust ihrer Familienangehörigen überwinden kann? (Harper Collins)
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