Herbstlese 2026 der japanischen Literatur: Krimis, Geister & Fantasy

von Bettina Schnerr
3 Minuten Lesezeit
Herbstlese 2026: neue japanische Krimis, Fantasy und Geistergeschichten

Seit mehreren Jahren durchforste ich die Verlagsvorschauen – ein Mal im Frühling, ein Mal im Herbst. In unregelmäßigen Abständen stelle ich meine Fundstücke in einem Vorschau-Bilderbuch vor. Vor zwei Jahren hatte ich mich in einer Spezialausgabe damit befasst, wie breit japanische Literatur und mit Japan verknüpfte Titel im damaligen Herbstprogramm gestreut waren. Dies ist nun eine Neuauflage der Idee und der zweite Teil meiner Herbstlese-Serie 2026 mit Spannungsliteratur und Fundstücken aus dem Fantasy-Bereich.

Teil 1 dreht sich um Romane & Healing Novels, Teil 3 um Sachbücher & Kochbücher. Bücher, die auf meinem persönlichen Wunschradar gelandet sind, sind mit einem ✻ markiert.

Vom Krimiklassiker bis zur Neuentdeckung

Seicho Matsumoto – Verdacht
Mitten in der Nacht stürzt ein Auto ins Meer. Der ältere Mann ertrinkt, seine frisch vermählte und viel jüngere Ehefrau kann sich retten. Ein Lokalreporter meint, aus der jungen Witwe eine Femme fatale mit krimineller Energie machen zu müssen. Das stürzt die Frau und ihre Anwälte in große Bedrängnis. Der Roman entstand nach einem wahren Fall und befasst sich ausgiebig mit gesellschaftlichen Vorurteilen. (Kampa)

Uketsu – Hen na ie 2. Seltsame Gebäude
Nach seltsamen Bildern und einem ersten Krimi mit seltsamen Gebäuden folgt der zweite Streich von Uketsu. Wieder mit dabei ist der Journalist Kurihara, der viele Hinweise auf viele weitere mysteriöse Grundrisse und Gebäude erhält. In elf dieser Fälle sieht Kurihara einen Zuammenhang und beginnt mit seinem Autorenfreund die Rätsel nach und nach aufzudecken. (Lübbe)

Yasuhiku Nishizawa – Der Mann, der sieben Tode starb
Während der Neujahrsfeier wird Hisataros Großvater ermordet — und nicht nur ein Mal. Der Junge, der gelegentlich in einer Zeitschleife mit neun Tagen Länge feststeckt, versucht, ihn zu retten. In einem Wirwarr aus Intrigen, Liebesaffären und Rivalitäten muss er sich zurechtfinden. (Atrium)
zur Rezension (dieses Buch habe ich bereits auf Englisch gelesen)

Seishi Yokomizo – Die Teufelsflöte von Tokio
Ein Fall für Kosuke Kindaichi, und zwar der sechste, laut Verlag. Damit schließt der Krimi an die bisher fünf Bücher an, die bei Blumenbar herauskamen (Band 5: Die Spatzenmorde von Onikobe). Die Familie Tsubaki trauert um ihren Patriarchen und wird mit weiteren Morden konfrontiert. Kindaichi muss aber erst einmal die Geheimnisse der Tsubakis aufdecken. (Rütten & Loening)

Kotaro Isaka – Hotel Lucky Seven
Wer hier eincheckt, checkt nicht mehr lebend aus – außer vielleicht, man ist der legendäre Nanao, der einst das Desaster im Shinkansen überlebt hat. Natürlich entwickelt sich auch der neue, „einfache“ Auftrag zu einem Höllenritt über 20 Stockwerke. Denn just an diesem Tag sind eine Frau mit dem perfekten Gedächtnis und ein Politiker im Haus, und jede Menge Auftragskiller, die einen Job zu erledigen haben. (Hoffmann und Campe)

Ingrid Schuster (Hrsg.) – Japanische Kriminalgeschichten
Die Anthologie bietet auf 120 Seiten eine Auswahl von Geschichten, die vom Klassiker aus der Edo-Zeit bis ins 20. Jahrhundert reichen – über vier Jahrhunderte insgesamt. (Reclam)

Mina Sakurai – Der Exmann
Mana Suzukura hat einen anspruchsvollen Job in Tokio und ein Geheimnis: Sie hat ihren gewalttätigen Ehemann umgebracht. Doch eines Tages steht Kazuki quicklebendig vor ihr und kann sich angeblich an nichts erinnern. Die neue Version ihres Mannes ist warmherzig und zugewandt. Wie kann das möglich sein? Kann Mana dem Frieden trauen? Denn sie hütet noch mehr Geheimnisse, die ihr Ehemann auf keinen Fall herausfinden darf. (Fischer)

Henrik Siebold – Inspektor Takeda und der lichte Schatten
Der japanische Inspektor in Hamburg erlebt seinen neunten Fall – im Koma liegend. Er wurde angeschossen und scheint die Attacke erwartet zu haben. Seine Verlobte und Kollegin Claudia untersucht Takedas Vergangenheit in Tokio. Damals half er, einen Menschenhandelsring auszuheben, viele Yakuza-Mitglieder wurden verhaftet. Übt das Syndikat nun Rache? (Aufbau)

Fantasy

In dieser Rubrik tut sich eher selten etwas. Japanische Fantasy findet nicht gerade oft ihren Weg in die deutsche Übersetzung. Im Herbstprogramm sind zwar auch in diesem Jahr keine japanischen Autor:innen vertreten, wohl aber solche, die stark von der Mythologie und Geschichte Japans geprägt sind. Eine gewisse Ausnahme bildet Lafcadio Hearn, von dessen Geschichtensammlungen immer wieder Neuauflagen angeregt werden.

A.S. Tamaki – Das Buch der gefallenen Blätter
Der Titel lanciert den Beginn einer Fantasy-Serie namens „Herbst des Imperiums“ — mit dem üppigen Claim „Shogun meets Game of Thrones“. Tamaki ist US-Amerikaner, doch die Welt seiner Protagonisten, dem ehemaligen Prinzen Sen Hoshikakari und dem Bauernmädchen Rui, ist von japanischen Mythen geprägt. Wie viele Teile insgesamt geplant sind, lässt sich noch nicht herausfinden. (Klett-Cotta)

Naomi Ishiguro – The Rainshadow Orphans
In der düsteren Metropole Rainshadow City kämpfen die Wahlgeschwister Toshiko, Jun und Mei ums Überleben und für Gerechtigkeit. Eine kriminelle Untergrundorganisation namens Lucky Crows mischt mit, eine geheimnisvolle Drachenperle wird gestohlen und plötzlich steht das Schicksal von ganz Rainshadow City zur Debatte. (Eichborn)

Lafcadio Hearn – Japanische Geistergeschichten
Geister und Dämonen sind seit jeher Teil der japanischen Kultur. Lafcadio Hearn, der viele Jahre in Japan lebte, sammelte und veröffentlichte viele Geistergeschichten von übernatürlichen Phänomenen, von Wiedergängern, verzauberten Tieren und Gespenstern. Diese 120 Seiten umfassen eine Auswahl davon. (Reclam)


Linktipps
Yuya Sato – Dendera
Henrik Siebold – Inspektor Takeda und der leise Tod
Shichiro Fukuzawa: Die Narayama-Lieder
Wer verlegt japanische Literatur?


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